Die Unterrichtsausfälle und Fehlstunden an Bremer Schulen haben Krisenausmaße erreicht. Die Unterrichts-Grundversorgung kann derzeit an vielen Bremer Schulen nicht mehr sichergestellt werden aufgrund eines Mangels an Lehrkräften.Die Situation ist so katastrophal, daß davon gesprochen werden kann, daß die Bremer Landesregierung ihren Bildungsauftrag nicht mehr erfüllt. Bremer Eltern nehmen diese Situation nicht länger hin und fordern eine umgehende Aufstockung des Lehrpersonals in Bremen um 100 Stellen, sowie die Erarbeitung eines mittelfristigen Versorgungsplanes mit bis zu 400 zusätzlichen Lehrerstellen.

Wir wollen den Bremer Senat dazu bewegen, den Krisenstatus der Unterrichtsversorgung offiziell anzuerkennen und sofortige Notmaßnahmen zur Aufstockung des Lehrpersonals im Lande Bremen einzuleiten. 100 neue Lehrer sind das Minimum. 400 neue Lehrer sind aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft nötig, um wieder regelmäßigen Unterricht an Bremer Schulen erteilen zu können und einen funktionsfähigen Vertretungspool zu haben.

Insbesondere betroffen von den Unterrichtsausfällen sind Schüler ab der 5. Klasse aufwärts in allen Bremer Schultypen und Stadtteilen. Vier bis sechs Fehlstunden im Schnitt pro Woche sind die Norm, nicht die Ausnahme. In der 8. Klasse unserer Kinder an einem Bremer Gymnasium wurde der traurige Höchstrekord von 18 (!) Fehlstunden in einer Woche im Februar erreicht. Die Bremer CDU hat dem Senat eine Kalkulation vorgelegt, die bereits 2000 Fehlstunden an Bremer Schulen im ersten Schulhalbjahr 2014/2015 ermittelt hat - 200 mehr als im Halbjahr davor.

Wichtige Fächer wie Chemie, Physik und Englisch werden in Klassen über ein ganzes Halbjahr nicht unterrichtet, weil nicht genügend Lehrpersonal zur Verfügung steht. Die meisten Schulen treten bereits mit einer chronischen Unterversorgung an Lehrpersonal an und stopfen nur noch die gröbsten Löcher. Immer mehr Personal wird langfristig krankgeschrieben und der Bremer Vertretungspool ist ebenfalls gravierend unterbesetzt. Schulleitungen können selbst bei voller Anwesenheit aller Lehrer nicht 100% Unterricht erteilen und alle Fächer und Klassen abdecken. Das Bremer Einstellungsverfahren für Lehrkräfte und Referendare ist kompliziert und langwierig und bedarf dringender Änderungen.

Konstruktive Lösungen müssen umgehend gefunden werden, denn es entstehen derzeit große Wissenslücken in diesen Schul-Jahrgängen, die angemessene Vorbereitung auf Schulabschlüsse kann von seiten der Schulen nicht mehr voll geleistet werden. Die Konsequenzen sind absehbar.

Wir wollen verhindern, daß unsere Kinder Opfer einer Bildungsreform werden,die strukturell unterfinanziert ist und nicht einmal die Unterrichts-Grundversorgung an Bremer Schulen sicherstellen kann.

Die Bremer Bildungsbehörde stellt sich taub, reagiert nicht auf die dringenden Appelle der gewählten Elternvertetung und gibt noch nicht einmal zu, daß die Unterrichtsversorgung in einer gravierenden Krise steckt, die von Monat zu Monat schlimmer wird. Stattdessen versucht die Bildungssenatorin, Frau Quante-Brandt, Zeit zu kaufen, indem sie "repräsentative" Zahlen zu den Fehlstunden fordert, bisher selber jedoch keine vorgelegt hat und auch keine anderen Zählungen akzepiert. Es besteht jedoch akuter Handlungsbedarf, um einen Ausweg aus der Krise zu finden und Bremer Schulkindern eine vollständige Bildung zu ermöglichen. Wir brauchen keine weiteren "Beweise" als unsere täglichen eigenen Erfahrungen mit Fehlstunden und Vertretungen, in denen Spiele gespielt werden. Das ist "Verwahrung", nicht Bildung.

Wir setzen uns als Eltern für eine sofortige Aufstockung des Lehrpersonals in Bremen ein und wollen aktiv mit der Bildungsbehörde zusammenarbeiten, um kurzfristige Lösungen für die bestehende Krisensituation zu finden.

Begründung

Wir wenden uns an alle Bremer Eltern mit der Bitte um Unterstützung dieser Petition, denn für die Lebens- und Berufsaussichten unserer Kinder ist Bildung DAS zentrale Element. Nur gemeinsam können wir etwas ändern und dem Bremer Senat mit dieser Petition "Zahlen" liefern, unseren Forderungen Nachdruck verleihen. Wir bauchen nicht mehr Fehlstunden zu zählen, die Unterrichtsversorgung funktioniert bereits nicht mehr. Das spüren wir alle am eigenen Leibe, jeden Tag. Wir brauchen Lösungen, kein Zahlenwerk. Bildung muß so gut sein, wie nur möglich - nicht als Notversorgung und auf dem kleinstem gemeinsamen Nenner funktionieren. Lasst uns nicht tatenlos dabei zuschauen, wie bei unseren Kindern immer größere Wissenslücken entstehen! Diese Defizite können nicht ohne weiteres nachgeholt werden, insbesondere nicht, wenn nicht mehr Lehrkräfte zur Verfügung stehen um eine 100%ige Abdeckung des Unterrichts zu garantieren. Darauf müssen wir als Eltern hinarbeiten, denn unsere Kinder können die Folgen dieses Unterrichtsausfalls nicht selber abschätzen, sie brauchen uns dazu. Lasst uns die Situation nicht so hinnehmen und konkrete Forderungen an den Senat stellen.

Lehrer im Lande Bremen - bitte unterstützt diese Petition, denn wir ziehen alle an einem Strang! Guter Unterricht kann nur geleistet werden, wenn man als Lehrer nicht hin-und hergezerrt wird, wenn genügend Kollegen vorhanden sind, um das Arbeitspensum gleichmäßig aufzuteilen. Es fehlt an Fachlehrern an allen Ecken und Enden und im Zuge dieser Petition wollen wir auch darauf hinwirken, daß das Einstellungsverfahren für neue Lehrer beschleunigt und vereinfacht wird, das alle Ressourcen genutzt werden.

Bundesländer wie Schleswig-Holstein haben es vorgemacht: Unterstützungsmechanismen für einen Vertretungsfonds, von einem Pool an "Senior-ExpertInnen und Experten" bis hin zur Zulassung fortgeschrittener Lehramtssemester als Vertretung, alles geht, wenn man zusammenarbeitet. Kreative Lösungen müssen her, um Fehlstunden zu vermeiden und Vertretungsstunden effizienter zu machen.

Im Namen aller heutigen und zukünftigen Schüler in Bremen - bitte unterstützt diese Petition!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung

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  • Liebe Unterstützer dieser Petition,
    Nun ist über ein Jahr vergangen seit dem Beginn dieser Petition.Sie wurde offiziell vom Petitionsausschuss im März diesen Jahres, und dann nach einer Folge-Debatte im Senat, abgelehnt, mit dem Argument, dass der Senat unserem Anliegen ja bereits entsprochen hat und bis zu 200 neue Lehrer einstellen will. Angeblich sollten bis Februar diesen Jahres 120 neue Lehrer kommen. Habt Ihr diese Lehrer an Euren Schulen gesehen? Mein Eindruck war, dass einige Monate versucht wurde, die Situation an den Schulen zu verbessern und es jetzt wieder an allen Ecken und Enden an Lehrern fehlt, auch im Vertretungspool. Gerade Fachlehrer für Chemie, Physik und Mathe werden gesucht, aber auch andere Fächer.

    Wir haben aber Teilerfolge mit dieser Petition erzielt - das Interesse der Medien sorgte während der Wahlphase im letzten Jahr dafür, dass Bildung auf einmal eines der drei zentralen Themen war und dass Herr Sieling konkret 200 mehr Lehrer versprach. Auf dieses Ergebnis können wir stolz sein. Bei der Verabschiedung des Bremer Haushalts in diesem Jahr wurde die Bildung auch mit mehr Budget bedacht und stand mit im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Trotzdem gibt es noch viel zu tun. Selbst wenn Bremen mehr Lehrer einstellen will, es gibt sie derzeit nicht! Niedersachsen stellt derzeit über 1000 Lehrer ein, die anderen Bundesländer auch, der Markt ist leergefegt. Die Flüchtlingsproblematik stand am Beginn dieser Petition noch gar nicht im Raum, aber jetzt verändert sie die Anforderungen an Schulen und Kitas zusätzlich. Wenn wir sehen, dass diese Petition nicht den gewünschten Erfolg gehabt hat, und sich nicht wirklich etwas ändert, dann gäbe es als nächsten Schritt den Volksentscheid, um z.B. das Bremer Schulgesetz zu ändern. Dafür bräuchten wir dann 5000 Stimmen und physische Unterschriften. Was würde ich heute fordern, wenn ich noch einmal eine Petition starten würde? 100% Unterrichtsversorgung in Bremen, nicht 100 Lehrer. Was auch immer wir an Ressourcen brauchen, um diese vollständige Versorgung zu ermöglichen. Momentan haben wir das noch nicht erreicht. Ich hoffe, dass viele von Euch weiter am Ball bleiben und dass wir gemeinsam für eine bessere schulische Versorgung unserer Kinder kämpfen. Wir können etwas bewegen! Kontaktet mich gerne, wenn Ihr eine Arbeitsgruppe weiterführen wollt. Alles Liebe und einen schönen Sommer - Irene Bejenke Walsh

  • Liebe Unterstützer, liebe Eltern -
    Zum Jahresausklang eine kleine Zwischenbilanz: unsere Petition hat einiges bewegt! Ab Februar 2016 werden uns von der Bildungsbehörde 120 neue Lehrer versprochen. Das sind Neuigkeiten, die im November noch ganz anders klangen. Wir werden achtsam seinund sehen, was in einem Monat wirklich kommt. Sind es wirklich 120 "neue" Lehrer, oder wurden Teilzeitjobs aufgestockt, oder Finanzmittel verteilt, die Einstellungs-Arbeit müssen aber die Schulen leisten? Wir werden sehen. Trotzdem haben wir das Thema in den Fokus des Senats gerückt mit unserer Petition.

    Die nächste Herausforderung ist schon da: die Integration von fast 2500 Flüchtlings-Kindern in unsere bestehenden Schulen und Klassen. Diese Situation hatten wir noch nicht, als die Petition gestartet wurde. Es ist schwer, sich vorzustellen, wie diese Integration praktisch funktionieren soll. Ich plane, einen offenen Brief an Herrn Sieling zu schreiben, und ihn um Klarheit und Transparenz zum diesem Thema zu bitten. Der Senat kommuniziert nicht offen - das muß sich ändern. Die Unterrichtsversorgung ist derzeit noch nicht sichergestellt - ohne einen stichhaltigen Plan und große finanzielle Mittel wird die Integration von 2500 neuen Kindern nicht funktionieren.

    Ich wünsche Euch allen einen glücklichen und friedlichen Start ins neue Jahr - mit neuen Perspektiven für unsere Kinder.

    Liebe Grüße,
    Irene

  • Liebe Eltern und Unterstützer,
    Morgen wird unsere Petition um 15.30 Uhr in der Bürgerschaft gehört - dieser Teil ist öffentlich und Ihr könnt in der Gallerie zuschauen und ich kann zwei Personen zum Sprechen mitnehmen. Unsere Petition wird gleich als erstes gehört, d.h. gegen 15.30 Uhr. Bitte kommt, wenn Ihr es irgendwie einrichten könnt! Noch haben wir die neuen Lehrer nicht und es ist wichtig, daß wir am Ball bleiben. Für unsere Kinder.

    Wo: Petitionsausschuß, Börsenhof A, Raum 301B-C, Eingang Dieter-Klink-Platz, 28195 Bremen.

    Ich werde ab ca. 15.15 Uhr da sein.

    Beste Grüße,
    Irene

Pro

Aus eigener Erfahrung mit zwei Kindern in der Sek 1 an Bremer Schulen ( 1 x Oberschule, 1 x Gymnasium) kann man diese Petition nur unterstützen. Die Lehrerversorgung und insbesondere vom Bildungssentor(in) getroffene Vertretungsregeln sind schlichtweg skandalös. Die häufigen Ausfälle sind in beiden Schulformen nicht hinnehmbar. Man kann durchaus sagen, dass das Bundesland Bremen seinen Bildungsauftrag in den weiterführenden staatlichen Schulen schlichtweg nicht vollständig ausführt. Den Schulen kann man hier kein mangelndes Engagement vorwerfen. Sie versuchen ihr bestes.

Contra

Noch kein CONTRA Argument.