Environment

BÜRGERINITIATIVE "Wir für den Wald"

Petition is directed to
Bürgermeister Peter Klär
3,096 Supporters 1,094 in Sankt Wendel
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  1. Launched 2019
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Wir sind die Bürgerinitiative „Wir für den Wald“ und setzen uns für eine naturgemäße Waldnutzung in unseren Wäldern ein. Denn so wie auf dem Originalbild aus dem Mecherswald vom April 2019 sollte es nicht weiter aussehen. Schwere Erntemaschinen haben einen auf Jahre verdichteten Boden und Schäden an gesunden, nicht zu fällenden Bäumen hinterlassen. Der Klimawandel zwingt uns bei der Nutzung des Waldes zum Umdenken. Er schreitet schneller voran als gedacht. Altherkömmliche, forstwirtschaftliche Methoden, die jahrhundertelang erfolgreich waren, funktionieren nun nicht mehr. Die Zeit für eine naturgemäße Waldnutzung ist gekommen. Wir fordern, bestands- und bodenschonende Verfahren in unserem Stadtwald St. Wendel einzuführen, um den Wald nicht zusätzlich zu schwächen und ihn klimastabil und gesund zu erhalten.

Im Gegensatz zum bisherigen „normalen“ Wirtschaftswald, wo der Mensch stets eingreift, steht im naturgemäßen Waldkonzept der Grundsatz im Vordergrund: Ökonomie durch Ökologie langfristig erhalten. Das heißt: Nur durch einen intakten und stabilen Wald kann langfristig der Wald wirtschaftlich rentabel bleiben. Da, wo es geht, die Natur machen lassen. Denn nur dort, wo mehr Natur zugelassen wird, kann sich auch ein starker, klimafiter Wald entwickeln und dem Klimawandel trotzen.

Wir fordern daher den Stadtrat St. Wendel auf, in unserem Stadtwald St. Wendel das Konzept der naturgemäßen Waldnutzung einzuführen.

Konkret fordern wir:

  • die Waldnutzung an naturgemäßen Methoden und Grundsätzen nach den Beispielen des Lübecker oder Göttinger Stadtwalds auszurichten. Standortspezifische Gegenbenheiten sind zu berücksichtigen und dementsprechende Anpassungen vorzunehmen.
  • die Eingriffe in den Wald und den Einsatz von schweren Maschinen bei der Holzernte minimal zu halten. Dies verhindert Bodenschäden und hält das Waldgefüge intakt.
  • die Erntemenge auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Der Wald verliert durch den Klimawandel ohnehin schon Waldfläche und Bestand.
  • den Schwerpunkt nicht auf Ökonomie, sondern auf Ökologie legen. Der Wald sollte vorgeben, wieviel Holz er Preis geben kann und nicht die zu erfüllenden Umsatzzahlen.
  • die Kronendecken so geschlossen wie möglich zu halten. Dies führt zu einer erhöhten Beschattung, angenehmeren Temperaturen in Bodennähe und einem besseren Schutz vor Bodenaustrocknung.
  • die Zielstärke der Bäume erhöhen. Die Bäume dürfen länger wachsen und älter werden. Wenn der Holzvorrat steigt, steigt auch die Biodiversität. Damit werden diese Wälder resistenter gegen den Klimawandel. Es macht also mehr Sinn die dickeren und wertvolleren Bäume zu fällen anstatt die kleinen, dünneren Bäume in großer Zahl zu ernten und damit den Wald immer schwächer und anfälliger werden zu lassen.
  • die Ernte in Einzelstammentnahme vorzunehmen. Es fällt der waldschädliche Termindruck weg. Dies bedeutet auch, mehr Fachpersonal einzusetzen. Bei Fremdvergaben sollte als unverzichtbares Kriterium in Ausschreibungen die boden- und bestandsschonende Ernteweise mitaufgenommen werden. Unternehmen, die solche Erntetechniken nicht anbieten können, dürfen bei der Auftragsvergabe nicht berücksichtigt werden. Schäden, die bei der Ernte entstanden sind, sollten zeitnah mit behoben werden.
  • Besonderheit für den Stadtwald in Winterbach: gutachterlich zu überprüfen inwiefern der Mecherswald seiner Schutzfunktion für Winterbach nachkommt.

Reason

Ein „Weiter so“ ist angesichts der Datenlage unserer Meinung nach fahrlässig. Nach den Fichten geraten nun die Buchen in bisher nicht gekanntem Ausmaß unter Stress. Dies ist aber alles nur der Anfang. Kommen die vorhergesagten 1,6 Grad oder gar die 2 Grad Klima-Erwärmung für Deutschland, sieht es mit dem Wald düster aus. Dürreperioden wie die der vergangenen drei Jahre kommen dann häufiger. Für die heimischen Laubbäume ist das ein großes Problem. Daher fordern wir das Waldkonzept der naturgemäßen Waldnutzung in unserem Stadtwald St. Wendel einzuführen.

Die Grundsätze der naturgemäßen Waldnutzung sind unabhängig von der Flächengröße überall einsetzbar und praktizierbar - also auch in unserem Stadtwald St. Wendel. Nicht umsonst ist dies in Uelzen, Wiesbaden, Lübeck, Göttingen und nicht zuletzt in Eppelborn/Quierschied gängige jahrzehntelange Praxis. Es ist notwendig auf Standortbedingungen einzugehen. So ist klar, dass für St. Wendel ein standortspezifisches Modell gelten muss, was aber auf den Grundsätzen naturgemäßer Waldnutzung basiert.

Naturgemäße Waldnutzung orientiert sich an den natürlichen Prozessen der Natur. Diese sind so wenig wie möglich zu stören. Eine Nutzung des Waldes, z. B. aus ökonomischen Gesichtspunkten, sollte so naturgemäß und schonend wie möglich geschehen. Die Holzwirtschaft sollte Artenvielfalt und eine Vielzahl von Lebensräumen ermöglichen. Daher besteht ein gesunder Mischwald aus hohen, niedrigen, alten und jungen Bäumen. Eine naturgemäße Waldnutzung nimmt Rücksicht auf ein intaktes Waldgefüge, entnimmt Bäume ohne dieses zu stören. Einzelstammentnahme ermöglicht regelmäßigere Ernten und damit einen besseren Ausgleich von (weltmarktlichen) Nachfrage- und Preisschwankungen. Baumfamilien können erhalten bleiben. Werden Bäume entnommen möglichst ohne Einsatz von schweren Erntemaschinen geschehen.

Derzeit orientiert sich die Holzernte eher an ökonomischen Gesichtspunkten. So entstanden durch Verdichtung des Bodens bei der Holzernte im Mecherswald im Frühjahr 2019 tiefe Furchen. Darüber hinaus haben Erntemaschinen und sonstige Fahrzeuge gesunde, nicht zu fällende Bäume an Rinde und Wurzeln beschädigt. Jedes Befahren des Waldbodens mit schweren Maschinen führt zu einer Bodenverdichtung. Untersuchungen haben gezeigt, dass nach 35 Jahren nur die ersten 15 cm von insgesamt 2 m Verdichtung des Bodens in die Tiefe sich wieder erholt haben. Also geht man davon aus, dass eine vollständige Regeneration erst nach 500 – 600 Jahren stattfindet.

Die Holzernte sollte mehr an Qualität und nicht an Quantität der Stämme orientiert sein. Zudem sollten weniger ökonomische, sondern vielmehr ökologische und soziale Aspekte bei der Waldnutzung überwiegen. Der Wald ist unser bester Verbündeter im Kampf gegen den Klimawandel. Er ist mehr als nur Holzlieferant. Denn er produziert Sauerstoff und Trinkwasser, speichert Co2 und vieles mehr. Der Wald sollte der Taktgeber sein, wieviel Holz er freigeben kann und nicht die gewünschte erzielbare Holzmenge. Bei schlechter Witterung muss eine Ernte unterbleiben.

Wir fordern eine Abkehr von den derzeitigen Erntemethoden hin zu boden- und bestandsschutzorientierten naturgemäßen Methoden.

In Zeiten des Klimawandels ist eher eine zurückhaltende Holzernte anzustreben, um den Wald nicht zusätzlich zu belasten. Konkret fordern wir, die Erntemenge im städtischen Waldgebiet für die kommenden Ernteperioden auf ein Minimum zu reduzieren.

Ein naturgemäß bewirtschafteter Mischwald ist widerstandsfähiger und weniger anfällig gegen Kalamitäten und Sturm. Dies senkt das finanzielle Risiko.

Ein Wald mit hohem Holzvorrat (höhere Zielstärke der Bäume) ist stabiler und vielfältiger (höhere Biodiversität) und damit gesünder und widerstandsfähiger. Dies sichert die Holzernte langfristig. Qualitativ höherwertigere Bäumer erzielen höhere Verkaufspreise bei selteneren Pflegeeingriffen. Dies macht das System der naturgemäßen Waldnutzung wirtschaftlich rentabler.

Im Falle des Mecherswaldes in Winterbach ist die Funktion des Waldes als Sturmschutz zu berücksichtigen. Wir erbitten, dass eine Entnahme der Bäume eingestellt wird bis die Funktion vollumfänglich erfüllt ist. Danach ist nur eine Einzelstammentnahme anzustreben und um die Schäden an gesunden, nicht zu fällenden Bäumen zu minimieren. Bäume mit mehr als 60 cm Durchmesser sollten erhalten bleiben.

Außerdem beantragen wir gemäß der Absprache der Ortsbegehung vom 28.08.19 mit dem Revierförster Thomas Müller und dem Vertreter aus dem Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, Gangolf Rammo bei der auch unser Ortsvorsteher Herr Weiand anwesend war, eine Renaturierung der Flächen, über die der Harvester gefahren ist. Konsens der Begehung war es, dass die Winterbacher Bürger den Wald nutzen können wie vor der Erntemaßnahme im Frühjahr 2019. Um keine zusätzlichen Steuergelder hierfür zu verwenden erwarten wir, dass für diese Maßnahme das ausführende Unternehmen in Regress genommen wird.

Thank you for your support, Anne Wälder from St. Wendel
Question to the initiator

News

Naturnahe Waldwirtschaft in Zeiten der Klimaerhitzung? Ein Beispiel aus dem Münsterland zeigt die Notwendigkeit des Umdenkens in der Waldwirtschaft auf. https://agenda21senden.de/2022/04/03/naturnahe-waldwirtschaft-in-zeiten-der-klimaerhitzung-ein-beispiel-aus-dem-muensterland-zeigt-die-notwendigkeit-des-umdenkens-in-der-waldwirtschaft-auf/

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