Wir wollen eine demokratische Schulkultur, die das Lernklima nachhaltig verbessern, die alltäglichen Konflikte lösen, und den großen Herausforderungen unserer Gesellschaft (Klimawandel, Rechtspopulismus, Digitalisierung und Migration) langfristig begegnen kann. Wir wollen, dass in unserer Demokratie eine Erziehung zur Mündigkeit die Regel ist, sodass antidemokratische Haltungen hierzulande in der Zukunft keine Chance mehr haben. Daher fordern wir die Verwirklichung demokratischer Bildung!

Heute ist das Schul- und Lernklima oft von Stress und Angst geprägt - das Verhältnis zwischen Schüler *innen, Lehrkräfte und Eltern ist oftmals angespannt. Lehrkräfte sind einer enormen Burnout-Gefahr ausgesetzt (1) und psychische Krankheiten lassen sich vermehrt auch unter jungen Menschen feststellen. Meist werden sie mit massivem Leistungsdruck in der Schule in Zusammenhang gebracht, doch die PISA Studien inspirieren die Bildungspolitik oftmals, diesen weiter zu erhöhen. (2) Zu wenige Kinder gehen heute gerne in die Schule, sodass Eltern das Vertrauen in die staatlichen Schulen verlieren und zunehmend auf Privatschulen setzen (3), sofern sie es sich leisten können. So geht es nicht weiter: Wir brauchen Ansätze, die diese Probleme lösen.

Demokratische Bildung erfordert, demokratische Werte wie Gleichberechtigung, Respekt, Vielfalt und Partizipation strukturell in der Schule zu verankern.

Ideen, die sich bereits an demokratischen Schulen weltweit bewährt haben (4) sind die Schulversammlung, die Streitschlichtung und das Justizkommittee, in dem Grenzüberschreitungen diskutiert und Sanktionen verhängt werden können. Klassenräte (5), die in Deutschland schon vielerorts mit Erfolg etabliert wurden, bieten einen Rahmen, klasseninterne Konflikte zu lösen. In einer Studie der Stiftung EVZ werden noch weitere Formen der Partizipation in der Schule diskutiert, wie zum Beispiel eine gemeinsam erarbeitete Schulverfassung. (6) Diese Ideen versuchen, Gleichberechtigung zwischen Lehrenden und Lernenden zu verwirklichen. Sie entscheiden gemeinsam, wie ihre Schule gestaltet wird.

Andererseits bedeutet demokratische Bildung, selbstbestimmt zu lernen – denn nur dort, wo wir selber wählen, können wir lernen, die für uns richtige Entscheidungen zu treffen. Es ist vielfach belegt, dass interessegeleitetes Lernen am nachhaltigsten ist. Nicht nur Deci und Ryan, auch die Studien von Hattie haben gezeigt: Lernen gelingt dann am besten, wenn wir es selbst in der Hand haben! (7) Lernen kann auch ganz nebenbei geschehen und braucht nicht immer die Instruktion durch Lehrkräfte (informelles Lernen). (8) Hier liegt Entlastungspotential auf beiden Seiten: In einer Schule, die diese Erkenntnisse ernst nimmt, treten die verschiedenen Interessen und Bedürfnisse der Schüler*innen in den Vordergrund und die Lehrkräfte können sich darauf konzentrieren, Lernprozesse dort anzuregen und zu begleiten, wo es gerade gebraucht wird.

Wagen wir also endlich mehr Demokratie in der Schule!

Begründung

Demokratische Bildung ist jedoch nicht nur auf das gestörte Schul- und Lernklima, sondern auch auf den erstarkenden Rechtspopulismus und die Menschenfeindlichkeit in vielen europäischen Ländern eine gute Antwort. Denn wer früh Gleichberechtigung erfahren hat, wird erfahrenes Unrecht bei sich und anderen nicht so leicht übersehen können. Die Arbeitswelt der Zukunft liefert mit ihren hohen Anforderungen ebenfalls eine Notwendigkeit: Verantwortungs- und Selbstbewusstsein, Teamfähigkeit und Kreativität - wie sollen sich diese Eigenschaften entwickeln, wenn man in der Schule meist nur zuhören und viel auswendig lernen darf?

Geben wir also den Schüler*innen die Chance, ihre Schule, in der sie so viel Zeit und Energie lassen, mitzugestalten und so zu einem Ort zu machen, an dem sie zwangfrei und gerne lehren und lernen. So wird aus einem Ort der alltäglichen Konflikte ein Ort der Neugier und Begegnung.

Wir stellen fest: Es gibt sowohl den politischen Rahmen, als auch die pädagogischen Konzepte, um unsere Schulen demokratischer zu gestalten:

  • Die Kultusministerkonferenz entschied schon 2009, demokratische Strukturen in deutschen Schulen zu fördern (9) und im Januar verkündete der neue KMK-Präsident Helmut Holter, den diesjährigen Schwerpunkt auf Demokratiebildung zu legen. Auch der Europarat hat ein Rahmenprogramm mit Ansätzen zur Demokratisierung der Schulen in Europa erarbeitet, das auf seine Umsetzung wartet. (10)

  • Eine Anregung könnte der Autonomieansatz des israelischen Bildungsministeriums sein, der eine rasante Schulentwicklung ermöglichte. Heute gibt es in Israel sogar ein Ausbildungsinstitut, das einen B.A. of Democratic Education anbietet. (11) So könnte man auch die deutsche Lehrkräfteausbildung durch demokratiepädagogische Seminare ergänzen (12) oder sogar ein eigenes, zukunftsweisendes Ausbildungsinstitut aufbauen.

  • In Deutschland liefert die Laborschule des Landes NRW in Bielefeld seit 1974 Erkenntnisse über demokratische Bildung. Sie wird durch eine Einrichtung der Universität Bielefeld und einen wissenschaftlichen Beirat begleitet. (13) Die Ergebnisse ihrer Evaluation werden regelmäßig veröffentlicht und bieten zahlreiche Ansatzpunkte zur demokratischen und innovativen Schulentwicklung. (14)

  • Mit Einführung der Gemeinschaftsschulen hat Baden-Württemberg einen kleinen, aber sehr wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan. Diese Schulen zeichnet aus, dass es keine Leistungsbewertung in Form von Ziffernnoten mehr gibt, kein Sitzenbleiben und keinen Leistungsdruck. Dafür beinhaltet das Konzept ein längeres gemeinsames Lernen aller Kinder mit regelmäßigem Klassenrat, Vollversammlungen und individueller Begleitung.

Wir fordern nun, die zum Teil bereits bestehenden Strukturen weiter auszubauen und zu fördern. An anderen Orten müssten sie erst einmal verantwortlich aufgebaut, dann kontinuierlich weiterentwickelt und wissenschaftlich begleitet werden. Das geht nicht von heute auf morgen, aber es ist jetzt Zeit, sich auf den Weg zu machen.

Quellen: pad.riseup.net/p/r.d3a6bb04e1ac09f68616957596f7f9c4

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Warum Menschen unterscheiben

  • Martina Führer Frankfurt am Main

    vor 11 Std.

    Weil wir freie Schüler*innen brauchen, um ein freies Land zu bleiben

  • vor 19 Std.

    Weil ich demokratische Bildung voll unterstütze.

  • vor 20 Std.

    If children don`t live in freedom and can not participate in what concerns them (live democracy), how can they learn to know how to live in a democratic society, to value democracy, in a society where we nowadays have to stand up for and protect democratic values. If children just learn to behave and to be obedient in school - how can they learn to stand up for themselves, to know whats good for them.. to appreciate "learning" as a process of happiness and development. Nobody needs all that stuff that we are taught in Highschool - and I say taught because we dont learn. - just think about it: what did u remember from Highschool? And what else do u remember of your (self)studies, articles and books u read, movies u watched, ...this is due to the fact that u learnt it volunteerly. Volunteerly means u were CURIOUS and curiosity pushes us to our limits, because we want to know everything about this topic! If we could decide earlier what we are really into, we could achieve much more,instead of learning 9 years what we are supposed to. I want schools where pupil, children feel safe and comfortable, where there is no bullying because children feel autonomous and free and have room for their development. how can we decide what 30 individuals should do at the same time, disregarding their character, interests, talents.. and so on. this is like a prison.

  • vor 1 Tag

    Ich möchte, dass mehr Kinder die Chance haben die Freude des Lernens, die Importanz von Fairness, das Entwickeln einer eigenen, fundierten Meinung und so vieles mehr zu lernen, was ich an meinen ersten zehn Schuljahren an einer demokratischen Schule lernen durfte. Es ist Zeit, das Kinder in ihrem Wissensdrang und Halndeln auch an traditionellen, staatlichen Schulen ernster genommen werden.

  • vor 1 Tag

    Weil das Schulsysthem im Moment total kacke ist und sich da was ändern muss!

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