An die Abgeordneten des Deutschen Bundestages Platz der Republik 10557 Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren, wir bitten Sie um Ihren Einsatz für Youcef Nadarkhani, der am 22. September 2010 wegen Apostasie und Evangelisation zum Tode durch den Strang verurteilt wurde. Das Urteil wurde am 22. Juli 2011 bestätigt. Pastor Nadarkhani befindet sich in Lebensgefahr. Aufgrund des internationalen Drucks wurde das Verfahren wieder aufgenommen. Nun erging der Erlass durch die Oberste Juristische Instanz im Iran, in diesem Fall für mindestens ein Jahr nichts zu unternehmen, ausser "mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln" den Pastor zur Rückkehr zum Islam zu bewegen. Dies schließt Folter ein.

Pastor Nadarkhani, geboren 1977, wurde erstmals im Dezember 2006 wegen Apostasie und Verbreitung nichtislamischer Lehren, verhaftet. Zwei Wochen später wurde er ohne Verurteilung freigelassen. Im Jahre 2009 verabschiedete das iranische Parlament ein Gesetz, das eine stärkere Förderung und Entwicklung des muslimischen Glaubens im Schulunterricht vorsieht. Dieses Gesetz gilt für alle Schulkinder, auch die christlicher Eltern. Da Nadarkhanis Söhne in den örtlichen Schulen ebenfalls von diesem Unterricht „betroffen“ waren, machte Nadarkhani von seinem Recht auf Religionsfreiheit Gebrauch und protestierte gegen diesen Beschluss. Eine Vorladung der Geheimpolizei vor das Revolutionsgericht in Rasht am 12. Oktober 2009 endete mit seiner Verhaftung. Seitdem sitzt er im Gefängnis der Geheimpolizei in Lakan, das 11 km südlich seiner Heimatstadt Rasht liegt.

Den ersten Monat im Gefängnis sowie einige Monate vor und nach seinem „Prozess“ musste Nadarkhani in Einzelhaft verbringen. Durch eine Vielzahl von Maßnahmen versuchte man ihn wieder zum „richtigen“ Glauben zurückzubringen. Unter anderem versuchte man ihn zur Einnahme von Pillen zu zwingen sowie ihn als verrückt abzustempeln, um ihn somit als krank und nicht zurechnungsfähig erklären zu können. Im Zuge einer Verurteilungs- und Einschüchterungswelle wurde auch Nadarkhani's prominenter Anwalt Mohammad Ali Dadkhah Anfang Juli 2011 zu Peitschenhieben, 9 Jahren Haft und 10-jährigem Berufsverbot als Dozent und Anwalt sowie zu einer Geldstrafe verurteilt.

Anfangs durfte Youcef Nadarkhani regelmäßig Besuch von seinem Anwalt, von seiner Familie und seinen Freunden empfangen. Besuche seines Anwalts wurden später nur noch begrenzt gestattet. Um weiter Druck auf Nadarkhani zu erzeugen, wurde am 18. Juni 2010 seine Frau Fatemah Pasadideh inhaftiert. Man brachte sie ebenfalls ins Gefängnis nach Lakan. Die zwei Kinder des Ehepaares blieben bei Verwandten. Die iranischen Behörden drohten, den Eltern das Erziehungsrecht zu entziehen und ihre Kinder einer muslimischen Familie zuzuführen. Da jedoch jeder Druck seine Wirkung verfehlte, wurde seine Frau Pasandideh ohne rechtlichen Beistand vor Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach der Verurteilung nahm sie sich einen Anwalt. Im Berufungsverfahren wurde sie am 11. Oktober 2010 nach viermonatiger Haft aus dem Gefängnis entlassen.

Am 21. und 22. September 2010 fand das Gerichtsverfahren gegen Youcef Nadarkhani statt. Am 22. September verkündete das Gericht: Hinrichtung durch den Strang. Einen schriftlichen Bescheid erhielt er zunächst nicht. Er wurde innerhalb des Gefängnisses in die Sektion für politische Gefangene verlegt und durfte weder Besuch von seiner Familie noch von seinem Anwalt erhalten. Am 13. November 2010 erhielt er schließlich das schriftliche Urteil. Das iranische Recht räumte eine 20-tägige Einspruchsfrist ein, in welcher Nadarkhani's Anwalt beim höchsten Revisionsgericht des Irans Berufung einlegte. Jedoch blieb dies ohne Erfolg. Am 28. Juni 2011 bestätigte die dritte Kammer des Obersten Gerichtshofs in Qom die Todesstrafe. Sollte die Todesstrafe ausgeführt werden, wäre Pastor Youcef Nadarkhani seit Jahren der erste Konvertit, welcher offiziell aufgrund seines christlichen Glaubens hingerichtet wurde.

Im Oktober 2011 wurden die Vorwürfe abgewandelt. Jedoch ist die Todesstrafe nicht aufgehoben worden.

Bitte helfen Sie Pastor Youcef Nadarkhani!

Begründung

Das Recht auf Religionsfreiheit schließt den Glaubenswechsel ausdrücklich mit ein. Es darf nicht sein, dass Menschen in der heutigen Welt noch immer wegen Religion, Meinungen, Lebensweisen, Ausrichtungen diskriminiert, verfolgt, inhaftiert oder gar hingerichtet werden.

Die IGFM unterstützt Menschen, die sich gewaltlos für die Verwirklichung der Menschenrechte in ihren Ländern einsetzen oder die verfolgt werden, weil sie ihre Rechte einfordern. Nach Auffassung der IGFM sind nach dem Recht auf Leben und Sicherheit der Person, die bürgerlichen Rechte wie Religions-, Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit die wichtigsten Menschenrechte. Ohne sie kann es weder Frieden noch sozialen Fortschritt geben. Die Grundlage ihrer Arbeit bildet die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung

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  • Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer von Youcef Nadarkhani,

    Pastor Nadarkhani verdankt seine Freiheit auch unserem internationalen Engagement - gemeinsam haben wir dazu beigetragen.

    Lasst uns dies auch für den iranischen Konvertitenpastoren Behnam Irani wiederholen. Eine Petition für ihn findet Ihr hier:

    www.openpetition.de/petition/online/freiheit-fuer-pastor-behnam-irani

    Bitte unterschreibt und verbreitet sie weiter.

    Beste Grüße aus Frankfurt

    Daniel Holler
    IGFM-Kampagnen/Religionsfreiheit

  • Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,

    heute darf ich Euch wunderbare Neuigkeiten übermitteln, All unser Kämpfen und unser Einsatz hat sich gelohnt. Am Samstag, den 8. September 2012 durfte Pastor Youcef Nadarkhani das Gefängnis als freier Mann verlassen - er wurde in der an diesem Tag stattfindenden Gerichtsverhandlung vom Vorwurf "Apostasie" (Abfall vom Islam) freigesprochen. Dass er jedoch der "Evangelisation" (Missionierung) für schuldig befunden und hierfür zu 3 Jahren Haft verurteilt wurde, kann vernachlässigt werden: Die Richter sahen es als ausreichend, dass er schon seit Ende 2009 in Haft war - und somit seine 3 Jahre Haft schon abgesessen habe.

    Im Internet findet Ihr Fotos (www.facebook.com/igfmdeutschland), welche von Youcef und seiner Familie direkt nach Verlassen des Gefängnisses gemacht wurden. Es ist wunderbar, zu sehen wie sich diese Familie, so lange und so unschuldig getrennt, wieder vereinigt. Wer möchte kann gerne ein paar Fotos von Youcef's Freilassung bei mir erfragen (daniel.holler@igfm.de).

    Euch allen gilt unser herzlichster Dank für Euren Einsatz - durch all unser Mitwirken konnte wieder einmal eine willkürliche Menschenrechtsverletzung aufgezeigt und zu einem positiven Ende geführt werden. Bis kurz vor dem Verfahren war die IGFM in Berlin, in Hamburg und Frankfurt vor den iranischen Vertretungen - in Berlin hätten 27.000 Unterschriften für Nadarkhani übergeben werden sollen, die Annahme verweigerte der Botschafter jedoch. Aber es gibt ja noch die Post :-)

    Allerdings müssen wir erst einmal abwarten, was sich für Pastor Nadarkhani entwickeln wird. Kann er im Iran bleiben? Wird er das Land - aus Sicherheitsgründen - verlassen? Wie werden die Behörden in Zukunft mit ihm umgehen? Wir wissen es nicht - aber die IGFM wird diesen Fall weiter beobachten.

    Wie Ihr jedoch wisst, gibt es noch viele weitere unschuldig inhaftierte Menschen im Iran, in Pakistan, in China, auf Kuba - weltweit...sie alle brauchen Unterstützung...es wäre toll, wenn Ihr euch weiter engagieren würdet. Weitere Möglchkeiten findet Ihr auf unserer Webseite www.igfm.de

    Beste Grüße und herzlichen Dank!

    Daniel Holler
    Kampagnen / Religionsfreiheit

  • weitere Veranstaltung der IGFM:

    Am 31. August findet zeitgleich zu Berlin eine große Demonstration für Pastor Youcef Nadarkhani vor dem iranischen Konsulat in Hamburg statt. Los geht es um 15.45 Uhr in der Bebelallee 18, Hamburg. Mehr dazu finden Sie unter:

    www.igfm.de/Hamburg-IGFM-Demo-fuer-Opfer-von-Menschenrechtsverletzungen-im.3291.0.html

    Am 28. August ist die IGFM gemeinsam mit Ute Vogt, MdB der SPD in Stuttgart. Dort macht sie auf Menschenrechtsverletzungen im Iran aufmerksam. Kommen Sie doch zwischen 11 und 17 Uhr vorbei. Mehr dazu:

    www.igfm.de/Stuttgart-IGFM-Infostand-am-28-August-mit-Bundestagsabgeordnet.3275.0.html

Pro

Mit seinem Übertritt zum Christentum und seiner Pastorentätigkeit hat er sein international verbürgtes Universalrecht auf Religionsfreiheit wahrgenommen, das auch der Iran völkervertragsrechtlich bindend anerkannt hat und das sogar in der iranischen Verfassung verankert ist. Das sagt doch schon alles wenn darauf die Todesstrafe stünde hätte der Iran dem doch wohl kaum zugestimmt. Da kann man mal sehen was das für Vollidioten sind ^^

Contra

Wenn es für Persone im Ausland um Gerechtigkeit geht dann wird die Sache hier gelistet, wenn aber in Inland etwas schief läuft wie bei der Peti für Helmut Moreth verschwindet dies im Trollturm . O. P. misst mit zweierlei Maß .