Sehr geehrter Herr Kretschmann,

die baden-württembergische Landesregierung treibt den flächendeckenden Ausbau der gebundenen (also verpflichtenden) Ganztagsgrundschulen voran, indem diese künftig deutlich mehr Mittel bzw. Personal erhalten. Im Gegenzug gibt es keine Zuschüsse mehr vom Land für die flexible Nachmittagsbetreuung an Grundschulen, die Ganztagsschule werden. Details siehe Pressemitteilung Kultusministerium www.km-bw.de/,Lde/Startseite/Service/Ganztagsgrundschule/?LISTPAGE=344894

Dadurch stellen viele Kommunen die bewährte freiwillige und flexible Nachmittagsbetreuung (Horte, Verlässliche Grundschule/Kernzeit etc.) ganz oder teilweise ein oder denken darüber nach.

Die Mehrheit der Eltern möchte aber für ihre Kinder keine Ganztagsschule mit Anwesenheitspflicht, sondern freiwillige und flexible Nachmittagsbetreuung.

Wir fordern die Landesregierung auf, das Schulgesetz so zu gestalten, dass die Ganztagsbetreuung an Grundschulen dem Bedarf aller Familien entspricht: mit freiwilligen, flexiblen Betreuungsangeboten, damit jede Familie selber entscheiden kann, wieviel Betreuung sie in Anspruch nimmt. Nur so haben wir Eltern echte Wahlfreiheit und können Beruf und Familie vereinbaren!

Begründung

Mit der Änderung des Schulgesetzes, die zum Schuljahr 2014/2015 in Kraft treten soll, werden die Landeszuschüsse für die flexible Nachmittagsbetreuung an Grundschulen, die Ganztagsschule werden, gestrichen. Dafür erhalten Kommunen bei der Einrichtung von Ganztagsgrundschulen bis zu 50 % zusätzliche Lehrerwochenstunden / Klasse.

Die Folge: viele Kommunen stellen die bewährte freiwillige und flexible Nachmittagsbetreuung (Horte, Verlässliche Grundschule etc) ganz oder teilweise ein oder denken darüber nach. Dafür gibt es dann die Ganztagsschule mit Anwesenheitspflicht, denn die wird vom Land finanziert. Der Ganztagsbetrieb findet an 3 oder 4 Tagen für 7 oder 8 Stunden statt, z.B. 8-15 oder 16 Uhr. Die Anzahl d. Tage und Stunden entscheidet zwar die Schule/Kommune, aber je mehr Tage und Stunden, umso mehr zusätzliche Lehrerstunden zahlt das Land, umso attraktiver wird es also finanziell.

Es kann auch Halbtagszüge geben, allerdings (s. oben) vielerorts ohne Nachmittagsbetreuung. Die Kommune entscheidet, ob die Ganztagsgrundschule in der gebundenen (nur Ganztag) oder der Wahlform (Halb- und Ganztag) angeboten wird. Schulen können ausserdem auch in ihrer bisherigen Form bestehen bleiben.

Die meisten Familien brauchen aber flexible Nachmittagsbetreuung: Über 80 % der erwerbstätigen Grundschulmütter (und immer mehr Väter) arbeiten Teilzeit, meist nicht nur vormittags, an unterschiedlichen Tagen und Uhrzeiten – und haben damit unterschiedlichen Betreuungsbedarf! Diese Eltern haben bewusst entschieden, Teilzeit zu arbeiten, um Zeit für ihre Kinder zu haben. Trotzdem sind sie künftig gezwungen, ihre Kinder in den Ganztag zu tun, wenn es sonst keine Betreuung an den benötigten Nachmittagen gibt. Wie lange es dann noch Halbtagszüge geben wird, ist fraglich.

Jede Familie ist anders, jedes Kind auch – nicht für jedes 6-10-jährige Kind ist eine 36-und-mehr-Stunden Schulwoche das Richtige, bei vielen Familien passt dieses starre System nicht zum Alltag.

Etwa die Hälfte der Kinder macht irgendwann eine Therapie (Logopädie, Physiotherapie etc). Das lässt sich nicht in den Schulalltag integrieren, muss also danach stattfinden. Das trifft auch die Kinder, die künftig im Rahmen der Inklusion Regelschulen besuchen.

Es überrascht nicht, dass lt. Umfragen (forsa, emnid etc.) nur 20-30 % der Familien die verpflichtende Form der Ganztagsschule wollen. Die grosse Mehrheit der Familien möchte und braucht keine Schule mit Anwesenheitspflicht bis 16 Uhr, sondern zuverlässige, qualitativ hochwertige Angebote für Nachmittagsbetreuung, die freiwillig und flexibel sind, mit der Möglichkeit eines warmen Mittagessens sowie möglicher Betreuung bis 18 Uhr und in den Schulferien. Eltern wollen selber entscheiden, wann sie Zeit mit ihren Kindern verbringen. Sie wünschen sich so viel Fremdbetreuung wie nötig, aber so wenig Fremdbetreuung wie möglich!

Kinder nur an den tatsächlich benötigten Tagen zu betreuen statt täglich, oder freiwillig statt mit Anwesenheitspflicht, ist nicht teurer.

Auch aus pädagogischer Sicht ist eine Ganztagsschule mit Anwesenheitspflicht wohl nicht nötig: der Aktionsrat Bildung, ein Gremium aus anerkannten Bildungsforschern, stellt im Gutachten vom Nov. 2013 (siehe Link) fest: „Aufgrund der geringen Verbreitung von rhythmisierten Ganztagsgrundschulen liegen zum jetzigen Zeitpunkt keine gesicherten Ergebnisse durch empirische Studien in diesem Bereich vor, ....“ Sowie: „...keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Schülerleistungen in den Domänen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften an Halb- oder Ganztagsgrundschulen nachweisen lassen.“ Und “Auch der Test hinsichtlich herkunftsbedingter Ungleichheiten zeigt keine überzufälligen Unterschiede zwischen Ganz- und Halbtagsschulen und den drei Kompetenzbereichen.” Vergleichbares besagt auch die Bertelsmann-Studie (August 2013).

Es ist somit nicht ersichtlich, warum der Mehrheit der Familien künftig die Möglichkeit genommen werden soll, ihre Kinder so betreuen zu lassen, wie sie es tatsächlich brauchen!

Links: www.initiative-gute-grundschule.de/ www.aktionsrat-bildung.de/fileadmin/Dokumente/Gutachten_Zwischenbilanz-Ganztagsgrundschulen.pdf www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-CE8E9BD8-6E660A1D/bst/xcms_bst_dms_38554_38555_2.pdf

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  • Keine Antwort von Ministerpräsident Kretschmann auf unsere Petition

    Wir hatten bei Herrn Kretschmann nachgehakt bzgl. Reaktion auf unsere Petition. Die Antwort von seinem "Referat Bildungspolitik" war, dass das Staatsministerium nicht zuständig sei, wir sollten uns an den Landtag wenden. Genau dieser Landtag (bzw. die grün-rote Mehrheit) hat das Gesetz aber in genau dieser Form verabschiedet, und aus diesem Grund hätten wir alle gern vom Ministerpräsidenten eine Stellungnahme gehabt. Die Meinung der Mehrheitsparteien des Landtags ist ja hinlänglich bekannt.

    Seltsam ist, dass wir von genau diesem Refererat des Staatsministeriums im August noch eine ausführliche Antwort auf den Zwischenstand der Petition erhalten hatten (ein paar Monate später teilen sie uns dann mit, sie wären dafür nicht zuständig...). Inhalt des Schreibens vom August im wesentlichen: Die Kommunen können die freiwillige und flexible Nachmittagsbetreuung ja zusätzlich anbieten, wenn sie wollen. Wie die Kommunen das ohne Landeszuschüsse tun sollen, wird nicht erläutert.

    Wir haben gebeten, wenigstens dieses Schreiben veröffentlichen zu dürfen. Antwort: Nein.

    Unter „Politik des Gehörtwerdens“, Bürgerbeteiligung und Transparenz hatten wir uns etwas anderes vorgestellt!

    Wie geht es weiter?

    Auf unserer Facebook- bzw. Webseite gibt es regelmässig Updates: www.facebook.com/pages/Initiative-Gute-Grundschule/113020595529591
    www.initiative-gute-grundschule.de/

    Für Stuttgarter: ab sofort kann im Bürgerhaushalt für unseren Vorschlag abgestimmt werden: www.buergerhaushalt-stuttgart.de/vorschlag/10288 . Bitte weiter verteilen!

    Für Musiklehrer: es gibt eine Initiative von Musiklehrern, sobald der Webauftritt steht, informieren wir per Facebook/Webseite.

    Für alle Eltern: wie wir u.a. in Ravensburg sehen, können Eltern viel bewegen. Wichtigste Voraussetzung ist, sich im Elternbeirat etc. zu engagieren. In der Schulkonferenz, die über die Schulform abstimmt, haben die Eltern die Mehrheit. Wenn Eltern sich rechtzeitig für den Erhalt von Horten etc. einsetzen, kann das gelingen – denn die Ganztagsschule ist nicht zwangsläufig das günstigere Modell für Kommune und Eltern.

    Unsere Initiative wird sich selbstverständlich weiter engagieren für den Erhalt der freiwilligen und flexiblen Nachmittagsbetreuung und die gleichwertige Förderung von Halbtags- und Ganztagszügen – damit Familien eine echte Wahlfreiheit haben.

    Für Fragen stehen wir über unsere Website gern zur Verfügung.

  • Da inzwischen 6 Wochen vergangen sind, seit wir die Petition über die Online-Plattform eingereicht haben, haben wir heute beim Staatsministerium angefragt, ob und wann wir mit einer Antwort rechnen dürfen.
    Bereits im Juli hatten wir den damaligen Zwischenstand der Petition an Ministerpräsident Kretschmann geschickt. Darauf haben wir eine Antwort erhalten mit dem Absender "Vorzimmer Abteilung III". Leider wurde uns nicht gestattet, dieses Schreiben hier zu veröffentlichen. Im wesentlichen wurde uns mitgeteilt, dass die Kommunen ja weiterhin flexible und freiwillige Nachmittagsbetreuung anbieten dürfen. Wie die Kommunen das bezahlen sollen, wird allerdings nicht erläutert ...

Pro

Als Tagesmutter habe ich Verständnis für Eltern, die eineBetreuung ihrer Kinder über "die Öffnungszeiten" hinaus brauchen. Was mir bei den Contra Argumenten aber fehlt, ist der Respekt vor eben diesen Eltern, die dies nicht brauchen. Ich brauche kein Mittagessen an Schulen, ich brauche auch keine Hausaufgabenbetruung an Schulen und auch darüber hinaus nichts. Ich brauche ein Mittagessen mit meinen Töchtern als Familie, ich brauche Zeit zum gemeinsamen Spielen und Bücherlesen, Zeit um ihre Freunde einzuladen. Das mag an der Lebenswirklichkeit mancher Contras vorbei gehen, aber es ist eben meine

Contra

Was soll denn rhythmisiert werden? Die Umerziehung der Kinder zu frühsexualisierten EU-Drohnen ohne eigene Meinung? Immer schlechtere Lehrpläne, sinkende Anforderungen, keine Zensuren mehr, Gleichbewertung aller. Kinder und schulischen Leistungen, keine Schreibschrift mehr, das Sysrem ist krank, schade um die Kinder. Verlorene Generation ohne Chance.