Eine Richterin soll derzeit über beidseitige Hörimplantation eines zweijährigen Kindes tauber Eltern entscheiden.

Prof. Dr. med. Andreas Gerstner, der Chefarzt der Hals-, Nasen-, Ohrenklinik des städtischen Klinikums Braunschweig, hat Eltern beim Jugendamt angezeigt, weil sie sich kein Cochlea-Implantat für das Kind wünschen. Das Jugendamt hat den Fall dem Familiengericht übertragen. Am 20. November 2017 gibt es eine erste Anhörung in einem südniedersächsischen Familiengericht. Karin Kestner wurde über diesen Fall informiert und hat eine Pressemitteilung veröffentlicht.

Prof. Gerstner begründet folgendes: „Die entsprechenden gesetzlichen Vorgaben, die für uns wie für jeden anderen in dieser Position gelten, sehen gerade bei diesen Patienten vor, dass in Fällen, in denen eine medizinische Behandlung gravierenden Einfluss auf die Lebensführung haben kann, weder der Behandler noch die Sorgeberechtigten nur allein und unbegleitet eine Entscheidung treffen, sondern eine fachkundige externe Unterstützung hinzugezogen werden kann.“

Der 48-jährige Prof. Gerstner ist seit vier Jahren Chefarzt der Hals-, Nasen-, Ohrenklinik in Braunschweig. Im September 2013 übernahm er die Leitung der Klinik von Prof. Dr. Heinz-Georg Schroeder, der nach 19 Jahren in den Ruhestand verabschiedet wurde. Vorher war er an der Universitäts-Hals-Nasen-Ohrenklinik an der Universität Bonn tätig. Unter seiner Leitung wurde der Einsatz eines Cochlea-Implantates (CI) in Braunschweig eingeführt.

Kestner schreibt weiter, dass also eine Richterin zum ersten Mal in Deutschland indirekt über das Schicksal von jährlich ca. tausend neugeborenen tauben Kindern entscheiden muss und einen Präzedenzfall schaffen würde. „Die Konsequenz wäre, dass dann alle gehörlosen Kinder der nächsten CI-Klinik zugeführt würden.“

Kestner fragt sich, wer wohl die externen Fachkundigen sind? Eltern, ob gehörlos oder hörend, dürfen nicht allein über die Lebensführung und den Lebensweg ihrer Kinder entscheiden?

Reason

Der Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes garantiert die Unantastbarkeit der Menschenwürde sowie die Bindung der staatlichen Gewalt an die weiteren Grundrechte (Artikel 1 bis 19) der bundesdeutschen Verfassung. Ebenso wie Artikel 20 GG steht auch Artikel 1 unter dem Schutz der in Artikel 79 formulierten Ewigkeitsklausel und darf daher vom verfassungsändernden Gesetzgeber inhaltlich weder abgeschafft noch verändert werden.

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

Zudem ist zwischen CI Empfehlen und CI aufzwängen ein Riesenunterschied. Dr. Andreas Gerstner ist einen Riesenschritt zu weit gegangen. Er hat die Entscheidung der Eltern zu akzeptieren. Zudem würde er ja dann gegen den GG Artikel 2 verstossen. Das Recht auf freie Entfaltung. Viele CI-Trägern werden zwar weiterhin wahrheitsgetreu über einen sehr guten Fortschritt berichten, wenn man denen fragt, aber sie werden selbst wenn sie in Fällen eine CI-Voruntersuchung empfehlen würden, jede Entscheidung eines einzelnen akzeptieren.

Menschen haben selbst zu entscheiden, ob ihre Kinder oder sie selbst Gehörlos bleiben wollen. Gehörlos zu sein ist keine Krankheit! Wir haben eigene Sprache und eigene Kultur! Wenn das so weiter geht, droht uns die Ausrottung, dafür wehren wir uns! Wir wollen es nicht noch einmal erleben, was die Indianern erlebt haben! STOP gegen uns zu ausrotten! Jeder entscheidet selbst wie sie leben wollen!

Quelle: www.taubenschlag.de/2017/11/zwangsimplantation-in-braunschweig/

Mehr Informationen: www.focus.de/gesundheit/ratgeber/hoeren/cochlea-implantat-grotesker-rechtsstreit-ein-richter-soll-entscheiden-ob-ein-kind-hoeren-darf-oder-nicht_id_7927231.html

Thank you for your support, iDeaf from Berlin
Question to the initiator

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  • Liebe Unterstützende,

    der gehörlose Jalal ist von Aserbaidschan nach Deutschland geflohen. Nun soll der in Bayern lebende junge Mann abgeschoben werden. Sein Freund Steffen Rieß erstellte im Rahmen des Projekts "Basketball trifft Rap" ein Musikvideo, um gegen die Abschiebung zu protestieren. In seiner Petition sammelt er Unterschriften für Jalal.

    Auf der Facebook-Seite von openPetition wurde das Musikvideo (mit Untertiteln auf Englisch) zur Petition veröffentlicht: www.facebook.com/openPetition/videos/1662945957136947/

    Das 1-minütigem Video soll so oft wie möglich geteilt (geshared) werden, damit so viele Menschen wie möglich auf den Fall Jalal aufmerksam werden.

    Der Petitionsstarter Steffen Rieß freut sich außerdem über jede Netzwerkhilfe in Bezug auf Asyl-Härtefälle als auch in Bezug auf das Thema Gebärdensprache für Jalal. Kurzlink zur Petition: www.openpetition.de/!jalal

    *Nachtrag: Diese Nachricht wurde von der openPetition-Redaktion versendet. Im der original Version wurde das Wort "taubstumm" verwendet. Wir wurden auf die diskriminierende Wirkung dieses Wortes aufmerksam gemacht und haben es entsprechend geändert. Wir möchten uns dafür herzlichst entschuldigen und versichern, dass wir niemanden diskriminieren möchten.

  • Liebe Unterstützer von der STOP CI-Zwang - Petition,

    STOP CI-Zwang war ein wichtiger Start! CI-Zwang ist ein Menschenrechtsbruch!

    Gehörlose Kinder haben aber ein Recht auf Gebärdensprachkultur und Bildung mit Gebärdensprache! Das ist gesetzlich schon seit 2009 mit der UN Behindertenrechtskonvention gesichert. Leider wird das Gesetz nicht umgesetzt.

    Deshalb haben Eltern und Fachkräfte eine weitere Petition bundesweit gestartet: "Gebärdensprache umsetzen: bilingual-bimodal-endlich normal".
    Auch diese Petition setzt sich für das Recht gehörloser Kinder ein. Barrierefreiheit durch Gebärdensprache - egal ob mit oder ohne CI.

    Alle Landtage und der Bundestag sollen sich zukünftig mit dem Thema Bildung und Gebärdensprache befassen. Daher benötigen wir aktuell so viel Aufmerksamkeit wie möglich - dafür brauchen wir Ihre Hilfe:

    Daher sehr gerne unterschreiben und bei Facebook das Petitionsvideo teilen oder unser "Sharepic" bei Twitter retweeten.

    +++Link zur Petiton: www.openpetition.de/!gehoerlosekinder

    +++Link zum Petitionsvideo Facebook:

    www.facebook.com/openPetition/videos/1562776543820556/

    +++ Link zum ReTweet:
    www.twitter.com/oPetition/status/964441901662273537

    Text: Meine Stimme = Meine Unterschrift für barrierefreie Bildung von gehörlosen Menschen. #Petition unterschreiben auf openPetition.de/!gehoerlosekinder @bilingualerleben @openPetition

    Jedes “Gefällt mir” (Like) aber vor allem geteilte Inhalte (Shares) sorgen dafür, dass noch mehr Menschen von der Petition erfahren.

    Herzlichen Dank für die Unterstützung!

    Mit besten Grüßen
    Magdalena Stenzel, Sprecherin Netzwerk BilingualERleben

    PS: Die Petition wird unterstützt von: Stadt Dresden, Deutschen Gehörlosenbund, Björn Blumeier, Prof. Dr. Rathmann, Prof. Dr. Helen Leuninger, PhD BSc Gisela Szagun, Bundeselternverband gehörloser Kinder e.V., Dresdner GSV, Stadtverband der gehörlosen Dresden, Biling e.V. Kompetenzzentrum für Gebärdensprache und Gestik der RWTH Aachen und vielen weiteren.

    +++Kurzlink: www.openpetition.de/!gehoerlosekinder

pro

Dieses Kommentar bezieht sich direkt auf das Contra-Kommentar (s.o.) und indirekt auf alle, die vorschnell Menschen in Schubladen einordnen, ohne die Hintergründe zu kennen. Wissen Sie ausreichend darüber Bescheid, wie mit einem CI die Sprachentwicklung im Durchschnitt und die sogenannte Öffnung für die hörende Gesellschaft verläuft? Haben Sie sich bereits mit der Gehörlosenkultur beschäftigt und wissen, in welcher Lage sich die Eltern befinden? Von welchem Blickwinkel auf das Leben gehen Sie aus, von ihrem eigenen, vielleicht dem eines/r Hörenden? Wer argumentiert hier egoistisch?

contra

Die Situation ist insofern extrem asymmetrisch, als eine solche Operation einige teils schwere Komplikationen haben kann. Ein Arzt, der so eine Operation aber nun erzwingt, kann sich danach nicht auch nur die geringste Komplikation leisten. Ertragen müssen die Komplikationsfolgen die Angehörigen und das operierte Kind. Dieses Spannungsfeld ist vorher bis in die dunkelste Ritze auszuleuchten, bevor man zwangsimplantiert. Ich kann mir vorstellen, dass eine Schadensersatzforderung hier auch in extrem hoher Summe fair und adäquat wäre. Gesamthaft halte ich dies für ein kaum deckbares Risiko.