Wir fordern die Bundesregierung auf, Missstände in der Alten- und Krankenpflegeausbildung zu beseitigen, um eine qualitativ gute praktische Ausbildung zu gewährleisten!

Wir sind Schüler/innen im zweiten Ausbildungsjahr der Ausbildungsrichtung Altenpflege in der Heimerer Schule in Landsberg. Unser diesjähriges Projekt steht unter dem Motto „Brennpunkt: Pflege – Die Zukunft liegt in unseren Händen!“. Wir sind davon überzeugt, dass wir durch unser berufspolitisches Engagement auch für die alten Menschen, die wir pflegen, ein Sprachrohr nach außen sind. Nach unserer nun eineinhalbjährigen Erfahrung in unseren Ausbildungsstätten, stellen wir fest, dass eine überwiegend mangelnde Anleitersituation in der praktischen Ausbildung der Altenpflegeschüler/innen herrscht. Dies bestätigt auch der Ausbildungsreport von ver.di 2012, wo rund ein Drittel der befragten Schüler/innen die Qualität ihrer Anleitung als „überwiegend nicht gut“ oder „nicht gut“ bewerten. Nur ein verschwindend geringer Teil an Schüler/innen unserer Klasse berichtet über eine regelmäßige Praxisanleitung; die meisten bekommen ihren Praxisanleiter nur sporadisch zu sehen, sind oft wochenlang nicht in einer Schicht mit ihm eingeteilt. So sind wir darauf angewiesen, unseren theoretischen Hintergrund auf eigene Faust in die Praxis umzusetzen. Zudem kämpfen wir mit vielen verschiedenen Ansichten von Fachkräften und Hilfskräften, die nicht immer auf dem neuesten Stand der Lehre zu sein scheinen. Wir fordern für die praktische Altenpflegeausbildung für jeden Schüler mindestens 250 Stunden (d. h. 10 % der gesetzlich geregelten Mindeststundenzahl in der Praxis) Praxisanleitung. Die Praxisanleiter sollen hierfür freigestellt werden.

Begründung

Die meiste Zeit unserer praktischen Ausbildung verbringen wir mit Tätigkeiten einer Pflegehilfskraft. Nur wenn die Dienste nicht abgedeckt werden können, traut man uns Tätigkeiten einer Fachkraft zu. Dabei wird jedoch oft unser aktueller Wissensstand ignoriert und riskiert, dass der ein oder andere von uns völlig überfordert ist. Wir sind gerne bereit Verantwortung zu übernehmen, aber bitte nur dann, wenn wir ordentlich angeleitet werden und die Tätigkeit auch dem Stand unseres Ausbildungsniveaus entspricht. Wir fordern, sinnvolle gesetzliche Regelungen in Deutschland zur Anrechnung der Auszubildenden auf den Stellenschlüssel. Die Einrichtungen sollen nicht gezwungen sein, uns Auszubildende als billige Arbeitskräfte auszunutzen, sondern uns zu verantwortungsvollen Pflegefachkräften ausbilden können!

Die Befragung der Schüler/innen aus unserer Klasse zum „Wochenenddienst in den Ausbildungsstätten während eines Schulblocks“, ergab ein vernichtendes Ergebnis! Die überwiegende Mehrheit der Ausbildungsstätten hielt sich nicht an die Empfehlung des bayrischen Bildungsministeriums, während der Schulblöcke auf Wochenenddienst der Schüler/innen zu verzichten. In der Regel, arbeiten wir meist mindestens einen Tag eines Wochenendes, in Notzeiten auch schon mal beide. Das bedeutet, 14 aufeinanderfolgende Tage ohne frei. Für eine ausgebildete Fachkraft bzw. Pflegehilfskraft ein No-Go. Das bedeutet für uns Schüler, den Lernstoff der Schule, Facharbeiten, Prüfungsvorbereitungen, usw. nach der Arbeit in der Einrichtung zu bewältigen; also oft genug ein 12-Stunden-Arbeitstag! Wir hören immer: „Fachkräfte in der Pflege fehlen!“ Jetzt wissen wir warum! Wir haben Arbeitszeiten wie Manager großer Firmen, tragen große Verantwortung für hilflose Menschen und erhalten nur einen kleinen Obolus. Wer soll sich unter diesen Bedingungen für die Altenpflegeausbildung entscheiden? Wir fordern, gesetzlich vorgeschriebene arbeitsfreie Wochenenden vor, während und nach dem Schulblock!

Unser großes Anliegen ist es noch, auf die schlechte gesellschaftliche Anerkennung unseres Berufes aufmerksam zu machen. PFLEGEN KANN NICHT JEDER! Hier ein Auszug aus dem Altenpflegegesetz (Abschnitt 2, § 3) über die Aufgaben der Altenpflege: Selbständige und eigenverantwortliche Pflege einschließlich der Beratung, Begleitung und Betreuung alter Menschen. Dies umfasst insbesondere:

  1. die sach- und fachkundige, den allgemein anerkannten pflegewissenschaftlichen, insbesondere den medizinisch-pflegerischen Erkenntnissen entsprechende, umfassende und geplante Pflege,
  2. die Mitwirkung bei der Behandlung kranker alter Menschen einschließlich der Ausführung ärztlicher Verordnungen,
  3. die Erhaltung und Wiederherstellung individueller Fähigkeiten im Rahmen geriatrischer und gerontopsychiatrischer Rehabilitationskonzepte,
  4. die Mitwirkung an qualitätssichernden Maßnahmen in der Pflege, der Betreuung und der Behandlung,
  5. die Gesundheitsvorsorge einschließlich der Ernährungsberatung,
  6. die umfassende Begleitung Sterbender,
  7. die Anleitung, Beratung und Unterstützung von Pflegekräften, die nicht Pflegefachkräfte sind,
  8. die Betreuung und Beratung alter Menschen in ihren persönlichen und sozialen Angelegenheiten,
  9. die Hilfe zur Erhaltung und Aktivierung der eigenständigen Lebensführung einschließlich der Förderung sozialer Kontakte und
  10. die Anregung und Begleitung von Familien- und Nachbarschaftshilfe und die Beratung pflegender Angehöriger. Für diese verantwortungsvolle Arbeit haben wir uns entschieden, weil es unser Wunschberuf ist und weil wir uns alle diese große psychische und physische Belastung, die die Arbeit mit alten Menschen mit sich bringt, zutrauen. Noch viel schöner wäre es, wenn diese Arbeit auch von der Gesellschaft anerkannt würde, nicht zuletzt auch in Form einer angemessenen Bezahlung.

Es ist nicht gewiss, ob wir im Alter nicht auch auf die Pflege durch einen ambulanten Dienst oder eine stationäre Einrichtung angewiesen sind. Wer aber will dort wie ein Stück Ware auf einem Fließband behandelt werden? Jeder Teilnehmer unseres Ausbildungsjahrs konnte Beispiele von Personalmangel und sehr schlechten Arbeitszeiten benennen. Diese Unzufriedenheit führt nicht nur zu Fachkräftemangel, sondern auch zu einem hohen Krankenstand in der Pflege. Die Schlange beißt sich also in den Schwanz! Wir fordern, die Attraktivität des Berufs Altenpfleger/in zu steigern und zwar konkret durch bessere Bezahlung und humanere Arbeitszeiten!

Damit unsere Forderung Gehör im Petitionsausschuss findet, brauchen wir mindestens 50.000 Unterschriften bis zum 21. April 2015.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung

Übersetzen Sie jetzt diese Petition

Neue Sprachversion

Neuigkeiten

  • Liebe Unterstützer,

    wir die Altenpflegeschüler von der Heimerer Schule in Landsberg am Lech, bedanken uns herzlich für die großartige Unterstützung und eure zahlreichen Feedbacks. Insgesamt haben wir ca. 2400 Unterschriften sammeln können.
    Die Petition wurde von uns beim Hr. Bundesgesundheitsminister Gröhe und der Abgeordneten Fr. Zeulner (ehem. Krankenschwester) in Berlin vorgestellt.
    Fr. Zeulner versprach uns, eine Anfrage an die Bundesregierung zu dieser Problematik zu stellen und vermittelt uns zu weiteren Gesprächen an die bayrische Landesregierung.
    Die Presse wird des weiteren Informiert.
    Unsere Klasse ist motiviert um für eine Verbesserung in der Ausbildung zu kämpfen.

Pro

Respekt vor dem Mut und der guten Argumentation der Schüler. Ich bin auch Pflegelehrkraft und erlebe , wie bei der Frage nach den Praxisanleitungen nur resigniert mit der Schulter gezuckt wird. In den Prüfungen merkt man dies ganz deutlich, wenn Anatomie + Krankheitslehre heruntergebetet werden können, aber beim pflegerischen Ansatz die Kenntnisse vage sind, weil es zwar in der Schule gelehrt, aber in der Praxis nicht vertieft wurde. Fakt ist: Die Betriebe haben eine gesetzliche Pflicht zur praktischen AUSBILDUNG und nicht zur praktischen AUSBEUTUNG! Danke, dass Ihr nicht nur meckert!

Contra

Gute Idee, aber falscher Ansatz. Die Bedingungen der Pflegekräfte muss DEUTLICH verbessert werden. Es kann nicht sein,dass Pflegehelfer und Schüler für einen ganzen Bereich zuständig sind und das wenig examinierte Personal zwischen den einzelnen Wohnbereiche hin und her spurtet,um Medikamente und Spritzen zu verteilen, bzw. auf Notfälle zu reagieren.Es ist noch immer normal, das auf 80-100 Bewohner nur 2 Nachtwachen kommen. Wenn dieser Mißstand behoben wird, ergibt es auch bessere Rahmenbedingungen für Schüler.Aber es interessiert leider keinen,unter welchen Bedingungen Pflegekräfte arbeiten!!