03.02.2026, 07:39
Manche Kritiker der Petition sehen in LIN25 eine typische NIMBY Aktivität. **Not in my backyard.** Warum das nicht stimmt, lesen hier:
Warum wir keine NIMBY* Aktivisten sind. Es geht um Klimaschutz!
Ohne unsere Initiative wären fünf alte Bäume gefällt worden – das ist sicher. Der Fall LIN25 in Untersendling steht exemplarisch für eine fatale Entwicklung in München: Alte, klima- und umweltrelevante Bäume werden im Zuge von Bauvorhaben gefällt – häufig ohne öffentliche Debatte und fast immer zugunsten privater Investoren. In dem bislang unversiegelten Hinterhof der Lindenschmitstraße 25 sollten sämtliche Bäume weichen, um Platz für Wohneinheiten zur Kurzzeitvermietung zu schaffen.
Dabei sind wir kein Einzelfall. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Allein in den Jahren 2021 bis 2023 wurden in München 6.890, 5.236 und zuletzt 7.788 Fällgenehmigungen für Bäume erteilt, die der städtischen Baumschutzverordnung unterliegen. Der größte Teil dieser Genehmigungen steht im Zusammenhang mit privaten Bauvorhaben. Alte Bäume verschwinden – und mit ihnen ein zentraler Baustein des städtischen Klima-, Umwelt- und Artenschutzes.
Nachpflanzungen können diesen Verlust nicht kompensieren. Gerade auf Privatgrund bleiben sie häufig aus oder ersetzen bestenfalls symbolisch, was über Jahrzehnte gewachsen ist. Ein neu gepflanzter Baum braucht Jahrzehnte, um Kühlung, Wasserrückhalt und Luftfilterung auch nur annähernd leisten zu können und Lebensraum und Nahrung für Kleinsäuger, Vögel und Insekten zu bieten.
Der Fall LIN25 zeigt zudem ein grundlegendes Problem der städtischen Genehmigungspraxis: Bauanträge werden routinemäßig nach Aktenlage bearbeitet, Ortsbesichtigungen bleiben die Ausnahme, Fällgenehmigungen werden gleich mit erteilt. Die geltende Rechtsauslegung räumt Investoreninteressen systematisch Vorrang ein – selbst dort, wo der Erhalt von Grünflächen offenkundig im öffentlichen Interesse liegt.
Besonders problematisch ist die aktuelle Entwicklung in Bayern, Bauverfahren weiter zu „vereinfachen“. Wenn Gutachten zum Baumbestand von privaten Sachverständigen erstellt werden, die von Investoren selbst beauftragt sind, gerät eine unabhängige Abwägung unter die Räder. Im Fall LIN25 wich das eingereichte Baumgutachten nachweislich von der Realität ab. Das erschüttert das Vertrauen in eine faire und sachgerechte Verwaltung.
Mit der eingereichten Verbandsklage gegen das Bauprojekt im Hinterhof von LIN25 wird erstmals deutlich Widerspruch gegen diese Praxis erhoben. Ziel ist nicht die Verhinderung von Wohnraum, sondern eine Kurskorrektur: Stadtentwicklung darf nicht weiter auf Kosten von Klima, Nachbarschaften, Umweltschutz und Lebensqualität betrieben werden.
(Foto: Robert Haas)