• Geschafft... und doch verloren

    at 15 Aug 2019 08:35

    Liebe Mitstreiter*innen,

    die vor 8 Wochen gestartete und mit 591 Unterzeichner*innen nun abgeschlossene Petition ist zu einem gelungenen Beispiel dafür geworden, dass sich auch in Jenfeld Anwohner organisieren und gegen Missstände protestieren können - wenngleich wir mit unserem Protest leider zu spät waren, denn bei Start der Petition waren die "Rewe-Würfel" schon längst gefallen, wie wir heute wissen.

    In den letzten Wochen wurden dann auch bedauerlicherweise im JEN-Center Fakten geschaffen, die mit den Bedürfnissen der Anwohner definitiv nicht in Einklang stehen:

    - Penny ist in die Rewe-Räume umgezogen - mit einer gefälligeren Ladeneinrichtung, aber gleichem Sortiment und Personal. Zudem soll es auch weiterhin zeitweise lange Schlangen an der einzigen geöffneten Kasse geben, während 3 weitere Kassen unbesetzt sind.

    - Aber es kommt noch schlimmer: in den alten Penny-Räumen findet nun bis auf Weiteres ein Resteverkauf der Penny-eigenen Nonfood-Artikel statt - demnach der 4.(!) Billigladen im JEN. Es klingt wie Hohn, wenn in bestimmten Kreisen beklagt wird, dass das Center "verslumt", was das Publikum angeht - kein Wunder, wenn nur noch Ramsch angeboten wird. Wer Qualität will, wird im JEN nur noch bei einer Handvoll kleiner Geschäfte fündig. Tatsache ist, dass es in ganz Jenfeld nun keinen einzigen fußläufig erreichbaren Supermarkt mit Vollsortiment und Frischetheke mehr gibt, dafür aber eine Flut von Discountern und Billigtrödelläden. Ein unakzeptabler Zustand, insbesondere auch für die älteren Anwohner, von denen manche nun regelrecht verzweifeln, weil sie nicht wissen, wo sie ganz bestimmte Lebensmittel künftig herkriegen sollen.

    Es war das Ziel dieser Petition, eine schnelle Lösung herbeizuführen, die uns Anwohnern auch weiterhin ermöglicht, sämtliche Waren des täglichen Bedarfs mit mittlerem bis hohem Qualitäts- und Frischestandard und ohne übermäßigen Verpackungsmüll im JEN kaufen zu können. Das haben wir leider nicht erreicht. Was wir stattdessen gewonnen haben ist die traurige Erkenntnis, es mit einem handlungsunfähigen Center-Management zu tun zu haben sowie einem Lebensmittelkonzern, der Jenfeld offensichtlich abgeschrieben hat.

    Was wir nun tun werden:

    Anders als geplant, werden wir die Petition nicht nur der Hamburgischen Bürgerschaft übergeben, sondern auch an Herrn Thomas Ritzenhoff, Bezirksamtsleiter Wandsbek. Der Grund: laut einer am 07. 08. im Hamburger Abendblatt veröffentlichte Meldung zum Thema "RISE-Förderprogramm" wird Herr Ritzenhoff die "Koordinierung der Gebietsentwicklung Jenfeld-Zentrum" übernehmen ( www.hamburg.de/bsw/12782064/2019-08-06-bsw-neue-rise-foerdergebiete/ ). Da das Kernziel von RISE ist, die "Lebensqualität für die Bewohnerinnen und Bewohner zu verbessern", ist unsere Petition samt Ihrer vielen wertvollen Kommentare dort in den richtigen Händen. Hoffentlich!

    Was SIE nun tun können:

    1. Nutzen Sie den Wochenmarkt wieder stärker!

    Zahlreiche Unterzeichner haben eine "Frischetheke" gefordert - nutzen Sie, solange es im JEN-Center keine gibt, den Wochenmarkt gleich hinter dem JEN, und stärken Sie die kleinen, regionalen Anbieter dort, statt Ihr Geld der Rewe-Gruppe hinterherzuwerfen. Keiner zwingt uns dazu, Obst, Gemüse, Fleisch und Wurst bei Penny zu kaufen. Zumindest Freitags gibt es die Option, diese Waren auf dem Wochenmarkt zu bekommen - frische Lebensmittel von regionalen Erzeugern.

    In den letzten Wochen habe ich mich mit allen Händlern dort unterhalten - auch sie sind unzufrieden damit, dass der Markt so geschrumpft ist, dies sei jedoch auf die gesunkene Kundenzahl zurückzuführen. Würde die Nachfrage wieder steigen, kämen auch wieder mehr Händler, sicherte man mir zu. Ob es dort bald auch wieder Käse und Fisch sowie weitere Obst-, Gemüse-, Fleisch- und Wursthändler gibt, hängt also "nur" von uns allen ab!

    2. Nutzen Sie auch weiterhin die Möglichkeiten des Bürgerprotestes!

    Gehen Sie zur Stadtteilkonferenz (nächster Termin: 09.09.2019 um 18.30 Uhr im Jenfeld-Haus), um Kritik, aber auch Anregungen und Ideen anzubringen und sich auf dem Laufenden zu halten. Fordern Sie dort auch in regelmäßigen Abständen Informationen zur Umsetzung von RISE ein - denn wenn wir schon kurzfristig nichts erreichen konnten, so soll wenigstens die langfristige Zukunft des JEN von seinen Anwohnern mitgestaltet werden.

    Allen, die diese Petition unterzeichnet haben, danke ich für ihr Vertrauen und die Zeit, die sie sich dafür genommen haben. Einige von ihnen haben mit ganz viel Engagement und Zeitaufwand Unterschriften gesammelt - ihnen bin ich von Herzen dankbar für die Solidarität und Hilfsbereitschaft, die ich erfahren durfte. Ein großer Dank auch an das Hamburger Wochenblatt und das Stadtteilbüro für ihre wohlwollende und professionelle Unterstützung.

    Ich werde Sie, solange und soweit das hier möglich ist, weiter auf dem Laufenden halten.

    Herzlich,
    Christine Blenner

  • Stadtteil-Konferenz und Bericht im Hamburger Wochenblatt

    at 19 Jun 2019 08:37

    Liebe Mitstreiter*innen,

    am Montag hat nun die Jenfelder Stadtteil-Konferenz stattgefunden, auf der zu den Vorgängen im JEN-Center und unsere Protestaktion informiert wurde. In diesem Zusammenhang herzlichen Dank an Herrn Dluzak für die beigesteuerten Hintergrundinformationen! Den Mitgliedern der Stadtteil-Konferenz sagen wir ebenfalls DANKE, dass wir dort zusammenkommen konnten - wenn auch die Zeit knapp bemessen war. Denn das Thema erhitzt doch viele Gemüter.

    Aber die wahren Helden dieses Abends sind für mich SIE! Nämlich DIE Menschen, die am Montag Abend ihre Komfortzone verlassen und sich auf den Weg ins Jenfeldhaus gemacht haben - um ihre eigenen Interessen zu vertreten, oder auch nur, um sich solidarisch zu zeigen mit Betroffenen. Gesicht und Flagge zu zeigen und eine Protestaktion zu unterstützen, wenn Dinge in die falsche Richtung laufen - das ist die Art von Bürgermitbestimmung,auf die es auch in Zukunft immer stärker ankommen wird. Sie können zurecht stolz auf sich sein!

    Es konnten während der Veranstaltung 39 Unterzeichner*innen (Unterschriftenliste) gewonnen werden - und es werden hoffentlich weitere hinzukommen, denn das Wochenblatt berichtet in seiner heutigen Ausgabe über die Petition [ emag.hamburger-wochenblatt.de/titles/hamburgerwochenblatt/10950/publications/307 ]. Außerdem werden wir in den nächsten Tagen und Wochen das Gespräch mit den umliegenden Senioreneinrichtungen, Geschäften und auch den Schulen suchen, um weitere Unterstützer*innen zu mobilisieren.

    Die Frage eines Herrn aus dem Publikum geht mir nicht aus dem Kopf, sodass ich sie hier gerne nochmals aufgreifen und versuchen möchte, ausführlicher zu beantworten: Er fragte, was mich denn so sicher macht, dass sich bei der Politik zu diesem Thema etwas bewirken ließe.

    Nun... es kann doch nicht sein, dass private Investoren ein ganzes Einkaufszentrum erwerben und sich in der Folge nicht um die Belange und Bedürfnisse der Anwohner scheren. Ein Einkaufszentrum ist schließlich mehr als irgendein Gebäudekomplex, es ist Teil der Versorgungs-Infrastruktur eines Stadtteils, übrigens nicht nur von Waren des täglichen Bedarfs, sondern auch von Ärzten, Postdienstleistungen usw.

    Und nun mal weiter gedacht: wenn ein Investor unbehelligt ein Einkaufszentrum leerstehen und verwahrlosen lassen kann... darf dann der nächste Investor einen ganzen Straßenzug aufkaufen? Und der übernächste einen ganzen Stadtteil? Nein, aus meiner Sicht muss die Politik sehr wohl ein Wörtchen mitzureden haben, was mit einem EKZ passiert, in dem die Dinge auf lange Sicht in eine ungute Richtung laufen. Und wenn sie nicht handeln will, müssen wir Anwohner ihr eben Beine machen. Laut und deutlich! Zum Beispiel, indem wir hier unterzeichnen.

    Noch aber ist es ja noch nicht ganz so weit gekommen, mit dem JEN. Einen Vertrauensvorschuss hat auch der neue, jetzige Investor verdient. Geben wir ihm ein paar Wochen, Monate Gelegenheit, die Schließung von REWE durch einen geeigneten Nachfolger zu kompensieren.

    Wichtig ist, dass wir alle zusammen weitere Mitstreiter mobilisieren und Unterschriften sammeln, damit wir Gehör finden. Wir bleiben dran, tun Sie es bitte auch!

    Herzlich,
    Christine Blenner

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