Region: Germany
Environment

Deutschlandweiten Klima-Skandal beim Klärschlamm abwenden

Petition is directed to
Bundesumweltministerium
355 Supporters 347 in Germany
1% from 50.000 for quorum
  1. Launched 29/11/2021
  2. Time remaining > 4 months
  3. Submission
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  5. Decision

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Wir fordern die Umweltministerien auf Bundes- und Länderebene sowie die neue Bundesregierung auf, sich für ein Moratorium der neuen Vorgaben zur Klärschlammverwertung einzusetzen, eine überregionale Anlagenplanung nach Klimaschutzkriterien zu entwickeln und Pyrolysegranulate, Karbonisate, etc. in die Düngemittelverordnung aufzunehmen. Eine ausführliche Begründung sowie Praxisbeispiele findet ihr weiter unten.

Konkret:

- 1. Die Bundesregierung muss endlich die Rahmenbedingungen schaffen, damit Pyrolyseverfahren und andere ökologisch sinnvolle Alternativen zur Verbrennung ohne rechtliche Unsicherheiten eingesetzt werden können.

Entscheidend ist die Anpassung der Düngemittelverordnung.

- 2. Die Bundesregierung muss unter Beteiligung der Öffentlichkeit eine nationale Planung vorantreiben. Derzeit planen die einzelnen Regionen, bzw. die jeweiligen Kläranlagenbetreiber:innen für sich, treten zum Teil in Konkurrenz zueinander und gehen von teils deutlich überdimensionierten Anlagenbedarfen aus. In Bayern werden beispielsweise derzeit Anlagen geplant, in denen viel mehr Klärschlamm verbrannt werden kann, als in Bayern anfällt. Künftig müssen Faktoren wie Herkunft der Klärschlämme, Transportkonzept, Klimawirksamkeit und Umweltverträglichkeit von Bedeutung sein.

- 3. Die Bundesregierung muss den zeitlichen Druck (Planungsergebnis bis 2023) von den Kläranlagen nehmen und ein Moratorium bis zur Klärung der genannten entscheidenden Fragen starten.

Bitte unterstützt mit Eurer Unterschrift unser Anliegen für mehr Klimaschutz durch innovative, dezentrale Klärschlammverwertungsmaßnahmen.

Initiatoren

Andreas Eichenseher, Stadtrat Bamberg

Thomas Ochs, Kreisrat Bamberg

Erstunterzeichner:innen

Dr. Steffen Heinrich, Zweckverband Frohnbach, Zwickau

Waltraud Galaske, Bund Naturschutz Bayern

MdL Christian Hierneis, Landtagsabgeordneter Bayern

Peter Hirmer, Bund Naturschutz Bayern

Günther Lindl, Interessensgemeinschaft Mailing-Feldkirchen/Ingolstadt 

Dr. Günter Hering, Pro Recycling e.V., Rostock

Matthias Appelt, Bürgerinitiative Bürger im Neckartal

Sandra Horwath-Durschek, Gemeinderätin Walheim

Ulrich Hoffmann, Bürgerinitiative gegen Müllverbrennung Weißenhorn e.V.

Lucas Büchner, Stadtrat Bamberg

Klimafreundliche Klärschlammverwertung - hier sind einige Praxisbeispiele, die aufhorchen lassen:

- Der Zweckverband der Kläranlage Frohnbach, Sachsen, hat in Eigenregie eine Pyrolyseanlage aus Standardkomponenten gebaut. Diese funktioniert seit fast zwei Jahren ohne Komplikationen und erzeugt einen schadstoffarmen, pflanzenverfügbaren Dünger. Diese Anlage wird wissenschaftlich begleitet, eine Publikation zu den Zwischenergebnissen erfolgt noch Ende 2021. Problem: der Dünger erhält bisher keine generelle Zulassung im Rahmen der Düngemittelverordnung. Quelle: Fachgespräch am 16.10.2021, u.a. Mit dem Verantwortlichen für die Kläranlage in Frohnbach (https://youtu.be/kpy5dEQei-0)

- Hersteller von Pyrolyse-Anlagen bauen in Schweden und Tschechien große Anlagen. In Deutschland stoßen die klimafreundlicheren und günstigeren Anlagen aus genannten Gründen auf Ablehnung. (Quelle: https://www.gabot.de/ansicht/pyreg-wie-aus-klaerschlamm-duenger-wird-407581.html

- Im Klärwerk Unkel, Rheinland-Pfalz, wird ebenso ein Karbonisat aus dem Klärschlamm erzeugt. Wegen der Nicht-Zulassung des entstehenden Düngers verklagte das Klärwerk das Bundesland Rheinland-Pfalz. (Quelle: https://www.rhein-zeitung.de/region/aus-den-lokalredaktionen/kreis-neuwied_artikel,-25-millionen-euro-teure-anlage-produziert-umsonst-unkeler-phosphorduenger-darf-nicht-aufs-feld-_arid,2177123.html)

Reason

In den rund 10.000 deutschen Kläranlagen landet unser aller Abwasser – zum Beispiel aus industriellen Waschprozessen oder unseren Toilettengängen. Am Ende bleibt dabei ein Schlamm übrig, der sogenannte Klärschlamm. Bisher wurde dieser in der Regel als Dünger auf Felder ausgebracht. Das ist aber zunehmend schlecht für Böden und Grundwasser, weil auch viele giftige Substanzen und Medikamentenrückstände im Klärschlamm sind. Künftig dürfen daher immer weniger Klärschlämme auf die Felder. (Quelle: https://www.bmu.de/gesetz/verordnung-zur-neuordnung-der-klaerschlammverwertung)

Das wichtigste Düngemittel, nämlich der Phosphor, muss nach der neuen Klärschlammverordnung von 2017 aus dem Klärschlamm gewonnen werden, damit man in Zukunft die Felder mit diesem recycelten Phosphor düngen kann. Bis 2023 müssen daher alle größeren Kläranlagen einen Plan entwickeln, wie sie dies künftig bewerkstelligen möchten (ab dem Jahr 2029 für Kläranlagen ab 100.000 Einwohnerwerten bzw. ab 2032 für Kläranlagen ab 50.000 Einwohnerwerten). (Quelle: siehe ebenda). Für die Phosphorrückgewinnung gibt es dabei verschiedene Methoden.

Wir setzen uns dafür ein, dass klima- und umweltfreundliche sowie günstigere Methoden eine echte Chance haben!

Das Problem: Fast überall wird derzeit geplant, den Klärschlamm künftig zu verbrennen und – sobald technisch möglich - aus der Asche den Phosphor zu lösen. Die Verbrennung würde jedoch enorme CO2-Emissionen verursachen. Das ist nicht nur äußerst teuer, sondern zementiert auch für die nächsten Jahrzehnte eine extrem klimaschädliche Struktur – während gleichzeitig alle Kräfte bemüht werden sollen, um die CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren, um auf 1,5-Grad-Pfad gemäß der Pariser Klimaziele zu kommen.

Klimafreundlichere Verfahren wie zum Beispiel Karbonisierung durch Pyrolyse, hydrothermale Karbonisierung oder Vergasung haben es dagegen schwer. Das ist unverständlich!

Bei diesen Verfahren muss der Phosphor nicht aufwendig aus der Asche gelöst werden. Stattdessen entsteht vor Ort ein Karbonisat, das neben anderen Mineralstoffen den Phosphor enthält und Kohlenstoff bindet – also klimapositiv ist. Erste Erfahrungen von Pionier-Kläranlagen in Sachsen und Rheinland-Pfalz - aber auch im Ausland - zeigen, dass dies hervorragend und ohne Rückstände der giftigen Substanzen funktioniert. Zum Teil sogar ohne Zufuhr externer Energie. Allerdings weigert sich die Bundesregierung (Legislaturperiode 2017-2021) bislang, das Endprodukt dieser Verfahren in die Düngemittelverordnung aufzunehmen. Entgegen der Logik aller Klimaziele verantwortete die Bundesregierung damit eine Vollbremsung bei Entwicklung und Einsatz dieser klimaschonenden Technologie! Und noch schlimmer: sie setzte sich sogar dafür ein, dass es Pyrolyse & Co. auch auf EU-Ebene schwer haben. Aufgrund dieses Defizits wird der weitere Einsatz und die Festlegung von Qualitätsstandards bei den Pyrolyseanlagen ausgebremst. Folglich gibt es aktuell keine Pyrolyseanlagen im industriellen Maßstab, die vergleichbar mit den zahlreichen bestehenden Müll- und Klärschlammverbrennungsanlagen sowie deren Kapazitäten wären. (Quellen: Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Abfall, Ausgabe 3 2020, S. 185; https://www.topagrar.com/energie/news/eu-kommission-staerkt-pflanzenkohle-als-duengemittel-12464681.html; https://youtu.be/kpy5dEQei-0)

Neben der Karbonisierung gibt es aber auch noch eine Vielzahl weiterer klimafreundlicher, dezentraler und regionaler Verwertungsverfahren für Klärschlamm. Neben nasschemischen Verfahren und der Vererdung wäre auch weiterhin die Ausbringung auf die Felder eine sinnvolle Verwertung. Hierzu muss allerdings der Schadstoffeintrag bereits im Abwasser deutlich reduziert werden.

Die alternativen Klärschlammverwertungen sind aber nicht nur klimafreundlicher und günstiger, sie verursachen auch geringere Verkehrsbelastungen, da sie dezentral und kleinteiliger funktionieren. Monoverbrennungsanlagen hingegen würden mit Klärschlamm aus einem größeren Radius beliefert. Die anfallende Verbrennungsasche muss anschließend wieder transportiert, deponiert und nochmals zu zentralen Recyclinganlagen gefahren werden. (Quelle: Quellen: Zeitschrift Korrespondenz Abwasser, Abfall, Ausgabe 3 2020, S. 192f.). Deshalb – und wegen der klimaschädlichen Emissionen sowie höheren Kosten – wehren sich vielerorts bereits jetzt zahlreiche Bürger:innen gegen die Pläne, Verbrennungsanlagen zu bauen. Allein in Bayern machen etwa Menschen in Gersthofen, Mallersdorf, Straubing, Ingolstadt, Bamberg, Schweinfurt oder Würzburg auf sich aufmerksam und fordern eine Alternative zur Verbrennung. Deutschlandweit sind es noch viele mehr. Und die Öffentlichkeit beginnt gerade erst, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, insbesondere weil die Kosten, die die Bürger:innen über die Abwassergebühren zu tragen haben, noch völlig unklar sind.

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News

❑ Verbrennung von feuchtem Klärschlamm liefert nur relativ wenig Heizwärme – bei extrem hohem technischen Aufwand mit speziellen, sehr teuren Anlagen! ❑ Die bereits ausgereift käufliche Technik für dezentrale Pyrolyse – direkt an den jeweiligen Kläranlagen – vermeidet zudem überflüssige & kostspielige Transporte mit dauerndem Verkehrsaufkommen von schweren Lkw…

Dass durch Pyrolyse behandelter Klärschlamm keinen Schaden in der Welt anrichtet, ist nicht nachgewiesen. Wieso wird ein nasser Stoff verbrannt? Viele Klärschlämme (gute) können z.B. durch Klärschlammvererdung ohne erheblichen Aufwand von Energie zu Dünger aufbereitet werden. Es muss endlich sichergestellt werden, dass der Eintrag von Mikroplastik und anderen Schadstoffen reduziert wird. Verbrennung oder Pyrolyse können nur für erheblich schadstoffbelastete Klärschlämme die Lösung sein. Nutzen wir natürliche Kreislaufelemente wie Humusbildende Mikroorganismen.

Why people sign

3 days ago

Weil Klimaschutz in allen Bereichen wichtig ist.

3 days ago

Wir brauchen unbedingt Transparenz in der Verarbeitung von Klärschlamm und wir brauchen eine umweltfreundliche Verwertung wie in den genannten Beispielen, um unsere Umwelt zu schonen

4 days ago

Diversität erhöht Innovation. Alternative Verfahren bieten immer die Möglichkeit einer besseren Lösung. Nur auf Verbrennung zu setzten verhindert Entwicklung.

5 days ago

Weil wir jede Möglichkeit nutzen müssen, um unsere Umwelt zu schützen und den Klimawandel abzuwenden.

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