Angedachte Kürzung der Stundentafel in Sachsen – ein taktisches Foulspiel des Kultusministeriums

Große Aufregung an Sachsens Schulen. Beim Blick in die sächsischen Zeitungen oder dem Verfolgen der Lokalnachrichten im Radio fiel zahlreichen Kolleginnen und Kollegen der Stift aus der Hand.

So geht also sächsisch: Einfach an der Stundentafel schrauben, es den Schülern als Entlastung verkaufen und im gleichen Atemzug das Lehrerproblem in Sachsen lösen. Worüber sich der Ökonom freut, können alle an der Schulpraxis Beteiligten nur den Kopf schütteln. Die angedachte Stundenreduzierung in den persönlichkeitsbildenden Fächern Sport, Kunst und Musik soll nun für eine jahrelang verfehlte Personalpolitik herhalten. Besonders die massive Kürzung im Sportunterricht ist eine fatale Signalwirkung in einer zunehmend digitalisierten und verkopften Gesellschaft.

Nur Schulsport bewegt alle

  • Sportunterricht erreicht alle Kinder und Jugendlichen unabhängig von ihrer sportlichen Neigung oder sozialen Herkunft.
  • Sportunterricht bildet eine breite Sportartenvielfalt ab und betrachtet die Ausführung von Bewegung aus verschiedenen Perspektiven (Gesundheit, Kooperation, Wettbewerb, Wagnis, Körpererfahrung, Gestaltung, etc.).
  • Sportunterricht geht auf aktuelle Entwicklungen der modernen Sport-, Spiel- und Bewegungskultur ein.

Bildung durch Bewegung

  • Sportunterricht legt Grundlagen für ein lebenslanges, bewegtes Gesundheits- sowie Freizeitverhalten und erfüllt damit eine wichtige präventive Funktion.
  • Gesundheit, Fitness und Ernährung sind integrative Bestandteile der Sportlehrpläne aller Schularten.
  • Sportunterricht bietet den besten Raum für soziale Interaktionen und den Umgang mit Unterschiedlichkeit (Leistungsvermögen, Geschlecht, Integration und Inklusion).
  • Sportunterricht setzt damit einen Gegenpol zur fortschreitenden gesellschaftlichen Individualisierung.

Gesunder Lebensstil durch Bewegung

  • Bewegungsmangel und dauerhaftes Sitzen verursachen zunehmende Beeinträchtigungen und Erkrankungen bereits im Kindes- und Jugendalter.
  • Sportunterricht ist die einzige Bewegungszeit im Schulalltag der Schülerinnen und Schüler. Sie darf daher nicht gekürzt werden.
  • Die im Rahmen des Sportunterrichts ausgebildete Schwimmfähigkeit, eine lebenserhaltende Grundfähigkeit, läuft damit Gefahr nicht mehr ausreichend geschult zu werden.

Landessportbund – ein Partner, kein Notnagel

  • Die angekündigte Auslagerung des Sportunterrichts in die Ganztagsangebote, finanziert durch staatliche Fördermittel, ist kein adäquater Ersatz für ein eigenständiges Unterrichtsfach.
  • Erfahrungen aus anderen Bundesländern haben bewiesen, dass weder in struktureller noch personeller Hinsicht Vereine und Übungsleiter diese Aufgabe flächendeckend ausfüllen können.

Begründung

Führt die angedachte Kürzung der Stundentafel tatsächlich zu einer Entlastung der Schülerinnen und Schüler?

Wir sagen NEIN.

  • Die regelmäßige in den Schulalltag integrierte Bewegung im Sportunterricht unterstützt den Abbau von Stress und bietet den notwendigen Ausgleich zur kognitiven Belastung.

  • Der Sportunterricht und die weiteren persönlichkeitsbildenden Fächer Kunst und Musik erfüllen den grundpädagogischen Anspruch des Lernens mit Kopf, Herz und Hand.

  • Die durchgängige sportmotorische Ausbildung im Umfang von drei Wochenstunden von der Grundschule bis zu den weiterführenden Schulen muss gesetztes Ziel einer Lern- und Bildungsgesellschaft bleiben.

Die zu kurz gedachten Sparmaßnahmen an den Fächern der ganzheitlichen Bildung, um damit den Lehrermangel in Sachsen zu kaschieren, haben langfristige Folgen. Die sich dadurch ergebenden gesamtgesellschaftlichen Kosten dürfen nicht außer Acht gelassen werden und sollten sich im Bewusstsein aller Beteiligten, Betroffenen, zukünftigen Arbeitgebern sowie Vertretern der Krankenkassen und Versicherungen niederschlagen.

Auch die Wirtschaft hat den präventiven Ansatz von Bewegung erkannt und setzt ihn in vielfältigen Maßnahmen um.

Die politische Verantwortung für die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen sollte allen Akteuren klar sein, denn schon die alten Lateiner wussten: Nur in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist.

Vorstand des Sportlehrerverbandes Sachsen
www.dslv-sachsen.de

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Sportlehrerverband Sachsen aus Leipzig
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Pro

Kürzung der Sport- und künstlerischen Fächer ist m.E. der falsche Hebel, um einem Lehrermangel entgegen zu wirken. Liegt das Problem wirklich an zu wenig Sport-, Kunst- und Musiklehrern? Wenn ich mich an meinen eigenen Sportunterricht in den 90er und folgenden Jahren erinnere, dann war das alles andere als motivierend und teamfördernd. Die Argumente "Kinder an gesunde Lebensweise heranführen und zu Gemeinschaft erziehen" kann ich nicht nachvollziehen. Es ging immer nur um Leistung. Als wenig sportlich Begabter war man Außenseiter und wurde durch schlechte Noten bestraft und demotiviert.

Contra

"Sportunterricht bildet eine breite Sportartenvielfalt ab und betrachtet die Ausführung von Bewegung aus verschiedenen Perspektiven (Gesundheit, Kooperation, Wettbewerb, Wagnis, Körpererfahrung, Gestaltung, etc.)." Die Aspekte "Gesundheit" und "Kooperation" sind im bisherigen Sportunterricht wenig bis gar nicht vorhanden. Gerade die Vermittlung von "Gesundheit" wird im Sportunterricht meist völlig außer Acht gelassen, meist zählt nur der Wettbewerb und die Leistung. Hier muss sich etwas ändern. Dabei ist es egal ob es nun zwei oder drei Wochenstunden Sport sind.