„Sehr geehrte Fluggäste, heute fliegen Sie mit nur einem Piloten, denn der Co-Pilot ist erkrankt, und die Fluggesellschaft finanziert keine Krankheitsvertretung.“

In der Luftfahrt undenkbar, aber in Potsdamer KiTas ist das leider alltägliche Realität. Sobald ein Erzieher oder eine Erzieherin ausfällt, ist die Betreuung unserer Kinder in Gefahr.

Die gesetzlichen Vorgaben zur KiTa-Betreuung – eine Erzieherin* für 5,5 Kinder unter drei Jahren bzw. für zwölf Kinder über drei Jahre – sind graue Theorie. In der Praxis begegnet uns häufig eine ganz andere Situation. Der sogenannte Betreuungsschlüssel – ohnehin einer der schlechtesten in ganz Deutschland - ist in der Stadt Potsdam gar nicht erfüllt. Das belegt die aktuelle KiTa-Zoom-Studie der Bertelsmann-Stiftung.**

Für Personalausfälle durch Krankheit, Urlaub, Fortbildung, Elternzeit oder Stellenwechsel fehlen regelmäßig Vertretungskräfte. So kommt es häufig zu Situationen, in denen eine Erzieherin bis zu doppelt so viele Kinder betreuen muss wie es der Personalschlüssel angibt. Das heißt schlimmstenfalls: 1 Erzieherin ist für bis zu 11 Kleinstkindern von 1 bis 3 Jahren zuständig, oder 1 Erzieherin hat 24 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren zu betreuen, zu erziehen und deren Bildungsprozesse zu begleiten.

Auch werden derzeit nur maximal 7,5 Betreuungsstunden finanziert, obwohl mehr als 70% der Kinder in Potsdam täglich 8 Stunden und mehr in KiTas verbringen. Das entspricht über 800.000 Betreuungsstunden, für die die Potsdamer KiTa-Träger nicht bezahlt werden. Folglich muss das vorhandene Personal auf einen längeren Zeitraum verteilt eingesetzt werden und das Fachkraft-Kind-Verhältnis verschlechtert sich weiter. Eine verlässliche und kindgerechte Betreuung ist so unmöglich.

Unsere Erzieherinnen leisten angesichts dieser Rahmenbedingungen täglich exzellente Arbeit, können den Anforderungen aufgrund der Personalsituation aber nicht gerecht werden und stehen unter Dauerbelastung. Das sind schlechte Voraussetzungen, um gutes Personal zu gewinnen und zu halten.

Wir wenden uns daher an Sie, unsere Stadtverordneten, und an Sie, Herrn Oberbürgermeister Jakobs. Finden Sie sofort Lösungen für die enormen und wachsenden Betreuungsprobleme in unseren Potsdamer KiTas! Von einer Stadt, die sich „familienfreundlich“ nennt, erwarten wir Eltern nicht nur eine ausreichende Anzahl an Betreuungsplätzen, sondern auch eine hohe Betreuungsqualität! Die Stadt Potsdam hat ungenutzte Finanz- und Handlungsspielräume und kann aus eigener Kraft viel zur Entschärfung der Probleme beitragen.

Wir erwarten, dass unsere Kinder in Einrichtungen, in denen sie den Großteil ihres Tages verbringen, nicht bloß beaufsichtigt werden, sondern sich altersgerecht entfalten können, entwicklungsfördernde Angebote erhalten und so zu sozial gestärkten Persönlichkeiten mit guten Bildungschancen heranwachsen.

  1. Potsdam muss daher mehr Mittel bereitstellen, um Ausfallvertretungen und die real benötigten Betreuungszeiten berufstätiger Eltern sicher zu stellen.

  2. Wir stellen nicht nur Forderungen, wir wollen uns aktiv einbringen. Dafür muss die Stadt Potsdam die Wahl und Einrichtung des gesetzlich vorgesehenen KiTa-Elternbeirats umgehend auf den Weg bringen.

Sehr geehrte Stadtverordnete und sehr geehrter Herr Jakobs, wir Eltern lassen uns nicht mehr abweisen mit dem Hinweis, das Land sei zuständig. Auch die KiTa-Träger können diese Aufgabe nicht aus eigener Kraft stemmen. Die Stadt Potsdam kann aus vorhandenen Mitteln sehr viel mehr leisten als bisher. Und vertrösten Sie uns bitte nicht auf 2017 oder 2018. Wir haben seit Jahren Probleme und wir erwarten Lösungen – JETZT!


*Der Einfachheit halber wird im nachfolgenden Text nur die weibliche Form verwendet. Natürlich sind Erzieherinnen und Erzieher gleichermaßen gemeint.

** www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/bessere-lebens-und-bildungsbedingungen-fuer-alle-kinder-in-brandenburgs-kitas/

Begründung

Es geht um unsere Kinder und unsere Stadt!

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Neuigkeiten

  • Liebe Unterstützer,

    die ersten Meilensteine hin zu einer Qualitätsverbesserung bei der Kita-Betreuung sind geschafft. Es gibt tatsächlich mehr Geld für die Personalausstattung in Potsdamer Kitas! Heute, am 01.03.2017, haben die Potsdamer Stadtverordneten beschlossen, mit Beginn des neuen Kita-Jahres 500.000 Euro und ab 2018 jährlich 1,5 Millionen Euro mehr für die Kita-Personalfinanzierung auszugeben. Konkret sollen die langen Betreuungszeiten von mehr als 8 Stunden besser unterstützt werden. Das wurde bereits im Fernsehen („Brandenburg Aktuell“ vom 25.02.2017) und in der Presse angekündigt. Die beschlossene Finanzspritze kann die Finanzierungslücke zwar nicht annähernd schließen, ist aber ein erstes Signal, dass die Betreuungsqualität in Potsdamer Kitas kein Nischenthema mehr ist.

    Damit ist der politische Prozess noch nicht beendet. Die Stadt Potsdam gibt ein Rechtsgutachten in Auftrag, das klären soll, wer für die Finanzierung der noch fehlenden Personalmittel zuständig ist: das Land Brandenburg oder die Stadt Potsdam. Der Sozialbeigeordnete der Potsdamer Stadtverwaltung hat im Fernsehen zwar verkündet, dass nach Abschluss des Rechtsgutachtens die Finanzierungslücke geschlossen wird - sei es vom Land oder von der Stadt. Land und Stadt sind sich in diesem Punkt allerdings nicht einig, weshalb wir als Eltern diesen Prozess weiter begleiten müssen. Auch deshalb hat sich im Januar der erste Potsdamer Kita-Elternbeirat gegründet.

    Die Forderungen unserer Petition wurden damit (zumindest teilweise) erfüllt. Das ist zunächst einmal ein großartiger Erfolg, der nur dank Euch und zahlreicher anderer Unterstützer möglich wurde.

    Vor allem aber hat sich die Politik bewegt, weil unsere Petition kein Randthema ist, sondern ein wirkliches Anliegen der Potsdamer Bevölkerung. Um langfristig eine gute Betreuungsqualität in Potsdamer Kitas durchzusetzen sind allerdings weitere Anstrengungen nötig. Eine Bürgerinitiative und eine Petition können das nicht alleine erreichen.

    Wir geben deswegen unsere Arbeit in die Hände des neuen Potsdamer Kita-Elternbeirats. Den Kita-Elternbeirat erreicht ihr unter kitaelternbeirat.potsdam@gmail.com Wir als Elterninitiative „JETZT! Für eine bessere Kita-Betreuung in Potsdam“ verabschieden uns von Euch mit einen großen Dankeschön und der Erkenntnis, dass es sich lohnt, für eine Sache mit Nachdruck einzutreten!

    Viele Grüße

    Eure Initiative
    "JETZT! Für bessere KiTa-Betreuung in Potsdam"

    PS: Anbei eine Sammlung von Links zu den Medienberichten:

    www.pnn.de/potsdam/1161289/
    mediathek.rbb-online.de/tv/Brandenburg-aktuell/Potsdamer-Eltern-streiten-f%C3%BCr-mehr-Geld-/rbb-Fernsehen/Video?documentId=40929860&topRessort=tv&bcastId=3822126
    www.pnn.de/potsdam/1160599/
    www.pnn.de/potsdam/1160605/
    www.pnn.de/potsdam/1160005/
    www.pnn.de/potsdam/1159612/
    www.pnn.de/potsdam/1157769/
    t.maz-online.de/Brandenburg/Erste-Kitas-nehmen-keine-Kinder-mehr-an
    t.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Breiter-Konsens-beim-Potsdamer-Haushalt

  • Liebe Unterstützer,

    mehr Geld für Potsdamer Kitas schon in diesem Jahr, verkündet das Rathaus heute im Fernsehen:

    mediathek.rbb-online.de/tv/Brandenburg-aktuell/Potsdamer-Eltern-streiten-f%C3%BCr-mehr-Geld-/rbb-Fernsehen/Video?documentId=40929860&topRessort=tv&bcastId=3822126

    Ganz offiziell am 01.03.2017 in der Stadtverordnetenversammlung!

    Eure Kita-Initiative
    "JETZT! Für bessere Kita-Betreuung in Potsdam"

  • Liebe Unterstützer,

    Endlich kommt Bewegung in die Sache. Es gibt mehr Geld für die Kitas und damit eine kleine Entlastung für die Erzieher/innen und somit auch ein bisschen mehr Qualitätszeit mit den Kindern. Hoffentlich kommt bis zur finalen Abstimmung am 01.03.17 nichts mehr dazwischen.
    Wie geht es dann weiter?
    Mehr dazu morgen abend: "Brandenburg Aktuell" um 19:30 Uhr auf RBB!

    www.pnn.de/potsdam/1160605/

    Viele Grüße
    Eure Kita-Initiative
    "JETZT! Für bessere Kita-Betreuung in Potsdam"

Pro

Weil die Stadt Potsdam aus Platzmangel sogar "per Sondergenehmigung" Überkapazitäten erlaubt. Ist die Stadt dann nicht in der Pflicht entsprechend Personalmittel bereitzustellen?

Contra

Mit 2.000 gefälschten Unterschriften ins Rennen gehen! Das wirft Fragen auf. Aber sicher wird nicht zu erkennen sein, wo die herkamen, nicht wahr?