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11. September 2015

Misch dich ein: 9 Tipps für eine erfolgreiche Petition

In seiner Petition „Frau Wilk soll Lehrerin am Gymnasium Haßloch bleiben“ kämpfte Dr. Thorsten Jabs erfolgreich für die Entfristung des Zeitvertrags der beliebten Vertretungslehrerin am Hannah Arendt-Gymnasium in Haßloch in Rheinland-Pfalz und konnte innerhalb weniger Tage deutschlandweit 1.145 Unterschriften sammeln.

Dr. Thorsten Jabs

Dr. Thorsten Jabs
Für uns hat er nun seine Erfahrungen mit der Petitionsarbeit zusammengefasst und gibt einige spannende Tipps für eine erfolgreiche Kampagnenarbeit.
Ich muss sagen, Ihre openPetion ist so gut gestaltet, dass die Erstellung und Pflege sich sehr einfach gestaltet hat – da gibt es wenig zu verbessern! Hut ab!
Die Online-Petition und Ihre Plattform hat unserem Anliegen die Öffentlichkeit gebracht, die neben weiteren Aktionen augenscheinlich nötig war, um die zuständigen Behörden zum Überdenken ihrer früheren Entscheidung (Beendigung des Vertrages von Lehrerin Frau Wilk) zu bewegen.

Was hat zum Erfolg beigetragen:

1. Die sorgfältige Vorbereitung der Petition

  • Recherche aller relevanten Fakten im Vorfeld
  • Überprüfung selbiger durch Kontaktaufnahme mit dem vorgesetzten Bildungsministerium MBWWK Mainz (Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur)
  • vorherige Feststellung der ungeteilten Zustimmung weiter Teile der Schulgemeinschaft
  • Entwickeln einer schlagkräftigen Begründung für die Petition selbst und einer Storyline für die Medien

2. Die Einbettung der Petition in eine konzertierte Aktion

Es wurden gleichzeitige Pressemitteilung an lokale und regionale Online-, Presse-, Hörfunk- und Fernsehredaktionen geschickt. Hilfreich ist es jemanden zu kennen, der Erfahrung mit der Erstellung von Pressemitteilungen hat.

3. Der hohe Grad der Mobilisierung und Unterstützung

Die Schüler, Eltern und Lehrer halfen beim Verbreiten der Online-Petition. Dies lief eigentlich als Selbstläufer aufgrund der hohen Zustimmung der Kinder, die die Petition in sämtlichen sozialen Netzwerken verbreitet haben.

4. Das richtige Timing und Geschwindigkeit (wegen des bevorstehenden Schuljahresendes)

5. Das hohe Interesse der Medien

Die ersten Zusagen über ein Radiointerview durch SWR kamen keine 30 Minuten nach Absenden der Pressemitteilung per E-Mail.

6. Die starke Medienpräsenz

  • mehrere Hörfunkbeiträge mit ausführlichen Interviews der Schulleitung, der betroffenen Lehrerin und mir in SWR, Radio Regenbogen
  • mehrere Online-Artikel (erster bereits 60 Minuten nach Absenden der Pressemitteilung)
  • Zusagen zu Fernsehbeitrag in landesweitem Nachrichtenmagazin (Landesschau) noch am selben Tag (Beitrag wurde erst nach dem Erfolg gedreht)

7. Die Kontaktaufnahme der Medien mit den Behörden

Die Medien kontaktierten natürlich sofort die Presseabteilung der zuständigen Behörde (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion ADD Trier). Selbige gab nach Auskunft von Redakteuren erst mal keine Stellungnahme, um nach weniger als 48 Stunden dann per Mitteilung an die Redaktionen Bescheid zu geben, dass das Präsidium in einer Sondersitzung nun entschieden habe, dass unsere Lehrerin nun doch eine Festanstellung erhalten soll. Ich erfuhr es wenige Minuten später dann kurz hintereinander von mehreren Redakteuren.

8. Der permanente Austausch unter den Beteiligten

Der Austausch im Vorfeld und während der ganzen Aktion ist extrem wichtig im Umgang mit den Medien, um zu verhindern, dass eine ‚zu reißerische‘ Story daraus gemacht wird . Es ist schließlich zu bedenken, dass die Schulgemeinschaft auch weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit mit der Aufsichtsbehörde angewiesen ist.

9. Eine abgestimmte Eskalationsstrategie

Eine Eskalationsstrategie mit Unterstützung der gesamten Schulgemeinschaft war vorbereitet (z.B. Fernsehbeiträge (s.o.), weitere Radiointerviews, Demonstrationen, sowie offene Briefe an hochrangige Politiker in Deutschland), welche jedoch logischerweise nicht mehr zu Zuge kam.

Auf die Frage, ob Online-Petitionen auch alleine wirken können oder ob sie doch besser Teil einer größerangelegten Kampagne sein sollten, gibt Herr Dr. Jabs einen guten Einblick in seine (nicht immer ganz stressfreie) Kampagnenarbeit.

Einerseits JA, denn sie war die Basis für das Interesse der Medien und half uns zu zeigen, wie hoch die Empörung in der Bevölkerung über die Ungerechtigkeit war. Anderseits bin ich mir sicher, dass die Verantwortlichen in der ADD nicht nur die Online-Petition wahrgenommen haben, sondern unsere gleichzeitige starke Medienpräsenz, und deren Anfragen.

Dennoch waren, wie Sie sich vielleicht vorstellen können, sämtliche Vorbereitungen der gesamten Kampagne sowie die gesamte Interaktion mit den verschiedenen Medien – ganz zu schweigen von den Interviews und dem Fernsehdreh – für mich als Vollzeitbeschäftigten in einem großen Industrieunternehmen eine große Herausforderung nicht nur in zeitlicher Belastung, sondern auch in Richtung Koordination und Interaktion mit Medien. An dieser Stelle möchte ich mich auch bei meinem Vorgesetzten und Arbeitgeber bedanken, der mich innerhalb der kurzen aber ‚heißen Phase‘ hat gewähren lassen und akzeptierte, dass ich auch mal spontan für ein Interview oder eine Fernsehaufzeichnung verschwunden bin. Es war eine intensive und aufregende Zeit – übrigens nicht nur für mich, sondern insbesondere auch für die Lehrerin Frau Wilk.

Also ich bin mir sicher, dass wenn ich im Rahmen meiner Funktion als Schulelternsprecher oder in anderer Position ein ähnliches Anliegen mal wieder haben werde, ich dieses Mittel wieder nutzen werde, unabhängig davon ob das jeweilig notwendige Quorum erreicht werden kann. Dies spielte bei unserer Aktion auch keine Rolle immerhin erreichten wir in ca. 48 Stunden über 1000 Unterschriften – die der konventionellen Unterschriftenaktion in Haßloch noch nicht eingerechnet – 16,000 wären für eine landesweite Petition wohl notwendig.

Wir bedanken uns noch einmal bei Herrn Dr. Jabs für seinen ausführlichen Erfahrungsbericht und freuen uns über den Erfolg seiner Petition. Falls Ihnen dieser Beitrag gefallen hat und Sie weitere Tipps für erfolgreiche Petitionen wünschen, schauen Sie doch einfach in unseren Blog oder kontaktieren uns direkt.


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