Petition richtet sich an:
Philosophische Fakultät Heidelberg
In Anlehnung an die erfolgreiche OpenPetition des AStA der Ruhr-Universität Bochum, die zur Abschaffung der Latinumspflicht für Lehramtsstudierende in NRW führte, stellt dies nun einen vergleichbaren Vorstoß an der Universität Heidelberg dar. ⁶
- Gefordert wird die Abschaffung der Latinumspflicht – wir sind deutschlandweit das Schlusslicht
- Stattdessen Sprachanforderungen in Englisch und Französisch ausweiten
Update (April 2026)
Lateinpflicht ist offiziell abgeschafft und ab nächstem Semester reicht auch ein Englisch C1 Niveau.
Update (Oktober 2025)
Im Fachrat wird derzeit eine neue Prüfungsordnung für den B.A. Philosophie erarbeitet.
Nach aktuellem Stand ist im Entwurf vorgesehen: Die Lateinpflicht im B.A. Philosophie entfällt in der nächsten Prüfungsordnung - künftig können weitergehende Englischkenntnisse (Niveau C1) als Sprachnachweis anstelle des Latinums anerkannt werden.
Die neue Prüfungsordnung soll voraussichtlich in etwa einem Jahr in Kraft treten; noch ist allerdings unklar, wie der Wechsel für bereits eingeschriebene Studierende ablaufen wird.
Begründung
Bildungshürde und Ursache von Studienabbrüchen
Im Philosophiestudium Heidelberg gilt das Latinum nach Rückmeldungen aus Fachschaftsarbeit und Gesprächen mit Studierenden seit Jahren als eine der häufigsten Ursachen für Studienabbrüche. Diese unnötige Hürde verhindert, dass motivierte Studierende ihr Studium erfolgreich abschließen, und fungiert als Instrument sozialer Selektion
Verlängerte Studienzeit, psychische Belastung und finanzielle Ungleichheit
Die anspruchsvollen Sprachkurse verzögern die Regelstudienzeit bei vielen Studierenden um bis zu vier Semester. Faktisch verpflichtende Lateinkurse erhöhen den Prüfungsdruck und verschärfen soziale Ungleichheiten: Wer auf BAföG oder Nebenjobs angewiesen ist, trägt die zusätzlichen Belastungen besonders stark.
Dass in der PhilVollversammlung behauptet wurde, es liege nicht in der Verantwortung der Uni, gesellschaftliche Ungerechtigkeiten zu beseitigen, steht im Widerspruch zum verfassungsrechtlichen Bildungsauftrag: Staatliche Hochschulen sind gesetzlich verpflichtet, Chancengleichheit herzustellen und strukturelle Benachteiligungen abzubauen.
Fachliche Relevanz im Gegensatz zu anderen Fremdsprachen
Lateinwissen ist für die Mehrzahl der Studierenden im Praxisalltag irrelevant im Gegensatz zu Englisch und Französisch, welche weitaus häufiger benötigt werden. Alle antiken Schlüsseltexte liegen in zuverlässigen Übersetzungen vor. Moderne Fremdsprachen fördern die sprachliche Kompetenz ebenso effizient wie Latein. Selbst die historische Philosophie zielt nicht primär auf philologische Textgenauigkeit, sondern auf die systematische Rekonstruktion von Argumentationsstrukturen.
Viele weitere Pro-Argumente sind den Zeitungsartikeln und Debatten in anderen Bundesländern zu entnehmen (siehe Quellen). Nun zu den Gegenargumenten:
„Latein aus Prestigegründen"
Einige Dozierende verteidigen das Latinum als Zeichen akademischer Exzellenz und nutzen es zur Profilierung Heidelbergs. Dabei werden hohe Hürden und Studienabbrüche in Kauf genommen – Latein als Image. Eine Umfrage von Peter AbeImann (damals Vorsitzender der Verfassten Studierendenschaft) zu den tatsächlichen Kosten und Belastungen durch die Lateinkurse wurde bis heute vertagt und nicht transparent ausgewertet. Wenn das Thema Latinum doch einmal auf die Tagesordnung, z. B. in der Vollversammlung des Philologischen Seminars, kam, verlief die Diskussion eher wie ein Schlagabtausch als wie eine Anhörung aller Vor- und Nachteile.
„BAföG-Problematik bei Lehramtsstudierenden -ein Trugschluss“
Die baden-württembergische Rahmenverordnung Ba-WÜ verlangt das Latinum für den Master of Education – es muss also auch bei einer Abschaffung im Bachelor später noch von Lehramtsstudierenden erworben werden.
Die Universitäten Konstanz, Stuttgart und Tübingen haben dennoch praktikable Lösungen gefunden: getrennte Regelungen für das Lehramt oder die spätere Nachholung mit Anrechnungsmöglichkeiten.
Die Rücksichtnahme auf Lehramtsstudierende ist in der aktuellen Diskussion vorgeschoben, unverhältnismäßig und letztlich für jene kontraproduktiv.
- Unverhältnismäßig: Nur etwa 30 %–50 % der Studierenden im Philosophie-Bachelor studieren polyvalent mit Lehramtsoption.
- Kontraproduktiv: Viele wissen nicht, dass sie eventuell eine BAföG-Verlängerung beantragen könnten, oder scheuen den bürokratischen Aufwand. Das bedeutet: Auch wenn theoretisch ein Antrag möglich ist wird keiner gestellt und Studierende verlieren ihre Förderung, weil sich ihr Studium durch das Latinum deutlich verlängert.
- Lehrämtler wollen ebenfalls von der Latinumspflicht befreit werden.
Quellen
(1) Protokoll Vollversammlung PhilSem, 28.01.2025, S. 8:
uni-heidelberg.de/md/philsem/lehre/protokoll_vollversammlung_philsem_2025_01_28.pdf#page=8
(2) Vgl. Art. 3 Abs. 3 Grundgesetz; § 2 Abs. 4 und § 3 Hochschulrahmengesetz.
(3) Rahmenvorgabenverordnung Ba-Wü:
studieren-in-bw.de/studiengangsuche/studiengang-detail/philosophie-ethik-13537
(4) Studierendenstatistik Uni Heidelberg:
backend.uni-heidelberg.de/de/dokumente/studierendenstatistiken-sommersemester-2025/download#page=12
(5) Studiengangsbefragung Philosophisches Seminar HD 5/2025
(6) deutschlandfunk.de/latinum-nrw-streitet-um-latein-an-hochschulen-100.html
(7) deutschlandfunk.de/tod-einer-toten-sprache-nrw-will-die-latinums-pflicht-fuer-100.html
(8) openpetition.de/petition/argumente/abschaffung-der-latinumspflicht-fuer-lehramtstudierende
(9) rp-online.de/nrw/landespolitik/lateinpflicht-fuer-lehrer-wird-abgeschafft_aid-19882801
(10) campus-mainz.net/newsdetails/latinum-ad-latrinam-abschaffung-der-latinumspflicht-in-rheinland-pfalz
(11) sueddeutsche.de/bildung/streit-ums-latinum-mit-dem-latein-am-ende-1.2248903
(12) zeit.de/studium/hochschule/2014-07/latinum-latein-uni-pro-contra/seite-2